
Reis – Klimaretter oder Klimasünder?


Reis ist ein Grundnahrungsmittel für einen großen Teil der Weltbevölkerung. Vor allem in Asien, Afrika und Südamerika. Aber auch in Nordamerika und Europa erfreuen sich die Getreidekörner großer Beliebtheit. Hauptanbaugebiete sind asiatische Länder wie China, Indien und Indonesien. Doch auch in den USA oder Italien wird Reis angebaut. In diesem Artikel soll es weniger um die verschiedenen Reissorten und ihre Verwendung gehen, sondern vielmehr darum, wie der Anbau von Reis Mensch, Natur und Klima beeinflusst. Denn gerade in Bezug auf den Klimawandel rückt der Reisanbau zunehmend in den Fokus.
Food for thought

Der größte Teil der jährlichen Reisernte (circa 80%) stammt aus dem Nassreisanbau. Die Aussaat beginnt auf einem Feld zum Ziehen der Stecklinge. Hierzu muss erwähnt werden, Reis ist keine Wasserpflanze. Nur durch Züchtung und Selektion wurde er an das Wasser angepasst und muss deshalb auf einem separaten Feld vorgezogen werden. Danach wird das eigentliche Reisfeld vorbereitet und geflutet. Nach etwa 30-50 Tagen werden die Stecklinge auf das Feld gepflanzt. Danach stehen die Pflanzen 3-5 Monate durchgehend im Wasser. Kurz vor der Ernte wird das Wasser abgelassen. Am Ende werden die Felder abgebrannt und umgepflügt. Diese Methode ist für Gebiete mit hohem Niederschlag oder einer natürlichen Wasserquelle (z.B. Fluss) geeignet. Die Vorgehensweise liefert die höchsten Erträge. Je nach Sorte und Gebiet sind mehrere Ernten pro Jahr möglich, ist aber sehr arbeitsintensiv.
Der Trockenreis eignet sich für das Gebirge oder Gegenden mit geringem Niederschlag. Jedoch wird durch das fehlende Wasser der Unkrautwuchs nicht gehemmt. Dies führt zu geringeren Erträgen und entsprechend zu höheren Preisen. Trotzdem schätzen viele Liebhaber ihn wegen seines intensiven Geschmacks.
Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, werden seit Jahrhunderten angewendet, bestimmt durch die Umweltbedingungen im Anbaugebiet. Doch nun zeigen sich immer mehr Folgen und Probleme für die Menschen, das Klima und die Umwelt.

Die Preisfrage
Hauptproblem für den Reisanbau ist der Klimawandel. Und dies gleich im doppelten Sinne. Zum einen verschlechtern sich die Anbaubedingungen durch Extremwetterereignisse oder bestehende Wettermuster werden unvorhersehbar. Dies führt zu einem geringeren Ernteertrag. So haben die Bauern in Indonesien jetzt schon Probleme mit dem Anbau, da die Regenfälle unzuverlässiger werden. Auf der anderen Seite wird gerade beim Nassreisanbau viel Methan freigesetzt. Dies geschieht durch methanerzeugende Bakterien, welche in diesem sauerstoffarmen Schlamm der Nasskulturen gedeihen. So verursacht der Nassreisanbau etwa 30% der gesamten weltweiten landwirtschaftlichen Methanemissionen (jährlich circa 60 Mio Tonnen). Methan wirkt dabei etwa 21 mal klimaschädlicher als CO2. Zusätzlich kommt noch der Transportweg vom Anbauland zum Konsumenten dazu, z. B. von Indien nach Deutschland.
Beim konventionellen Nassreisanbau werden viele Pestizide eingesetzt, welche der Umwelt und den Menschen vor Ort schaden, da sie ins Trinkwasser gelangen. Zudem lagern sie sich im Reis ab, sodass wir diese Schadstoffe ebenfalls aufnehmen. Viele Böden sind mit Arsen belastet, welches in den Reis übergeht und krebserregend wirken kann. Ein Effekt, der durch den Klimawandel verstärkt wird. Denn durch höhere Temperaturen steigt der Arsengehalt in den Körnern. Zusätzlich vermehren sich im Boden lebende Mikroben besser, welche Arsenverbindungen mobilisieren und dann durch den Reis aufgenommen werden. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest im April 2026 hat gezeigt, dass in allen untersuchten Reisprodukten Arsen enthalten ist. Deshalb sollte man Reis vor dem Konsum immer waschen.
Ein weiteres Problem betrifft nicht nur den Reis, sondern auch viele unserer Lebensmittel: Die fehlende Diversität der angebauten Sorten. Auf Grund von Nachfrage am globalen Markt, Ernteertrag und anderen Faktoren werden nur wenige Sorten angebaut. Dies hat aber viele Nachteile und Risiken. Seit nur wenige Hochleistungssorten angebaut werden, sind schätzungsweise 90% aller ursprünglichen Sorten verloren gegangen. Doch gerade Vielfalt stellt die Ernährung sicher. Hochleistungssorten haben oft den Nachteil, dass sie gegenüber Krankheiten und Extremwetter anfälliger sind als alte Sorten. Beim Reis ist der Hauptschädling ein Pilz, der Reisbrandpilz (Magnaporthe grisea). So müssen viel mehr Pestizide und Dünger eingesetzt werden, mit erheblichen negativen Folgen für Mensch und Umwelt.




Zum Mitnehmen
Trotz dieser vielfältigen Probleme gibt es auch verschiedene Möglichkeiten zur Lösung oder zumindest zur Abschwächung. Als wichtigstes Ziel bleibt die Bekämpfung des Klimawandels. Sowohl von Konsumentenseite als auch von Seiten der Landwirtschaft. So laufen Feldversuche mit anderen Anbaumethoden und Reissorten. Erfolg hat dies nur, wenn es mit lokalen Bauern zusammen geschieht. So soll das Wassermanagement verbessert werden, um den Methanausstoß und den Wasserverbrauch zu verringern. Dafür wird das Reisfeld zwischenzeitlich trockengelegt und gut belüftet.
Ältere Reissorten sind oft widerstandsfähiger, haben aber einen geringeren Ertrag. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Erträge und Einkommen der Bauern zu sichern, aber auch Umwelt und Klima so wenig wie möglich zu belasten. Sicherlich wäre auch das gezielte Fördern des Anbaus alter Reissorten eine Option. So kann die genetische Vielfalt sichergestellt werden und somit auch die Ernährung der Menschen. Der Trockenanbau könnte eine gute Alternative sein, da seine Klimabilanz deutlich besser ist als beim Nassreisanbau. Doch auf Grund geringerer Erträge ist es hier schwierig, den Bedarf zu decken. Für Europas Reisgebiete scheint es aber eine gute Wahl zu sein. Darüber hinaus sind die Feuchtgebiete in vielen Regionen der Erde inzwischen Mangelware, was Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat.

Verschiedene Studien und Projekte beschäftigen sich daher inzwischen auch damit, wie nachhaltiger Reisanbau diesen Mangel an Feuchtgebieten ersetzen kann. Denn mit weniger Einsatz von Pestiziden profitieren viele Arten, wie Amphibien, Fledermäuse, Vögel und Nagetiere, die in und um bewässerte Reisanbaugebiete leben.
Als Einzelner kann ich darauf achten, fair und nachhaltig produzierten Reis zu kaufen. So haben die Bauern ein gesichertes Einkommen und die Umwelt wird durch geringeren Pestizideinsatz weniger belastet. Am Ende hat der Reis, wenn er auf unseren Tellern landet, meist einen langen Weg hinter sich. Deshalb sollten wir darauf achten, dass dieser Weg so verträglich wie möglich für unseren Planeten und damit auch für uns Menschen ist.
Quellen und weitere Informationen
- Wikipedia: Reis
- Reissorten und ihre Besonderheiten: Diese solltest du kennen, Artikel
- Reisanbau und unser Klima, Artikel
- Reisvielfalt, Artikel
- Vergessene Körner, Artikel
- Artenvielfalt dank Reisanbau – Wie der Anbau von Nassreis die Biodiversität fördert, Artikel
- Reis im Test: Kritisches im Korn, Stiftung Warentest

Norman Schöne
aus dem Nepada Wildlife Kommunikationsteam
arbeitet in der Landwirtschaft, ist besonders fasziniert von Fledermäusen und überall auf der Welt Wildlife zu erleben
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