
Fast Furniture – Kann man sich noch nachhaltig einrichten?

Die meisten Menschen kennen den Begriff „Fast Fashion“. Doch wer hat schon einmal von „Fast Furniture“ gehört? Dieser Ausdruck beschreibt, wie in heutiger Zeit ein großer Teil unserer Möbel produziert wird – billig, in Massenproduktion und minderer Qualität – und wie wir damit umgehen. Diese Stücke werden oft schon nach kurzer Zeit wieder ersetzt, weil sie kaputt gehen oder uns einfach nicht mehr gefallen. Da die meisten Möbel aus Holz hergestellt werden, hat dieser Umgang drastische Folgen für die Umwelt, die Artenvielfalt und schließlich auch für uns Menschen.
Food
for Thought
Ein Großteil unserer Einrichtungen besteht aus Holz. Egal ob Schreibtisch oder Bett, Holz ist meist die erste Wahl. Daran ist erstmal nicht zwingend etwas falsch. Was es zum Problem macht, ist unsere Wegwerfmentalität, die Art und Weise der Holzgewinnung und die damit verbundene Massenproduktion. Für viele Menschen ist ein Möbelstück keine langfristige Investition, sondern etwas, was nach Belieben schnell und billig ausgetauscht werden kann. Laut Eurostat, dem statistischen Amt der EU, werden jährlich rund 10,5 Mio. Tonnen Möbel gekauft. Etwa genauso viel wird auf Deponien entsorgt oder verbrannt. Nur jedes zehnte Möbelstück wird recycelt. Dies ist ein gefährlicher Trend, den viele Unternehmen befeuern.
Um die riesige Nachfrage zu decken, werden großflächig Bäume gefällt. In Europa betrifft das vor allem Rumänien und Schweden. Doch auch weltweit kommt es zu massivem Kahlschlag, oft sogar illegal, da Korruption und unzureichende Kontrollen an der Tagesordnung sind. Denn Tropenholz ist sehr gefragt für die Herstellung von Möbeln, es soll eine gewisse Form von Luxus suggerieren. Dieses Holz stammt aus den subtropischen und tropischen Wäldern Afrikas, Asiens und Amerika. Es geht sogar so weit, dass sich vielerorts eine skrupellose Holz-Mafia etabliert hat.
Um die riesige Nachfrage zu decken, werden großflächig Bäume gefällt. In Europa betrifft das vor allem Rumänien und Schweden. Doch auch weltweit kommt es zu massivem Kahlschlag, oft sogar illegal, da Korruption und unzureichende Kontrollen an der Tagesordnung sind. Denn Tropenholz ist sehr gefragt für die Herstellung von Möbeln, es soll eine gewisse Form von Luxus suggerieren. Dieses Holz stammt aus den subtropischen und tropischen Wäldern Afrikas, Asiens und Amerika. Es geht sogar so weit, dass sich vielerorts eine skrupellose Holz-Mafia etabliert hat.
Die
Preisfrage
Die Auswirkungen auf Natur und Menschen sind enorm. Es werden unfassbare Mengen an Bäumen gefällt, auch illegal in Naturschutzgebieten. Damit gehen wertvolle Ökosysteme verloren. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum und sind somit zunehmend vom Aussterben bedroht. Denn gerade die tropischen Wälder sind die Landökosysteme mit der größten Artenvielfalt. Auch die mit dem Wald einhergehenden Ökosystemleistungen werden gestört oder gehen ganz verloren. Wälder sind wichtige CO₂-Speicher, sie haben großen Einfluss auf lokale und globale Wasserkreisläufe. Der ehemalige Waldboden wird bei der Ernte stark geschädigt und der Erosion preisgegeben. Die Erntemaschinen verdichten ihn so stark, dass die kleinen Lebewesen darin absterben und Wasser nicht mehr gut versickern kann. Somit ist der Boden anfälliger für Trockenheit oder Starkregen, was zu Überflutungen führen kann. Bis er sich regeneriert hat, kann es tausende von Jahren dauern.
Durch den fehlenden CO₂-Speicher Baum wird der Klimawandel weiter verstärkt; außerdem setzen der Transport und die Herstellung von Möbeln zusätzlich CO₂ frei. Und wie wir gelernt haben, entstehen große Mengen Müll, die deponiert oder verbrannt werden müssen und somit einen weiteren negativen Einfluss auf Umwelt und Klima haben.
Durch den fehlenden CO₂-Speicher Baum wird der Klimawandel weiter verstärkt; außerdem setzen der Transport und die Herstellung von Möbeln zusätzlich CO₂ frei. Und wie wir gelernt haben, entstehen große Mengen Müll, die deponiert oder verbrannt werden müssen und somit einen weiteren negativen Einfluss auf Umwelt und Klima haben.
Für uns Menschen hat diese Produktionsweise soziale und gesundheitliche Folgen. Soziale Auswirkungen spüren vor allem die Menschen, deren Wälder vor Ort gerodet werden. Indigene werden aus ihrer Heimat vertrieben und verlieren ihre Lebensgrundlage. Diejenigen, die Arbeit in der Holzindustrie finden, werden nur schlecht bezahlt. Zudem können nicht nur bei den Arbeiter*innen gesundheitliche Folgen auftreten. Denn gerade „Fast Furniture“ kann durch billige Materialien und schlechte Herstellung Chemikalien enthalten, welche über Jahre hinweg in die Wohnungen abgegeben werden und uns krank machen können.


Zum
Mitnehmen
Zuerst sollte man sich die Frage stellen, ob man unbedingt neue Möbel braucht oder ob die alten noch in Ordnung sind. Nur weil sie einem nicht mehr gefallen, ist das nicht unbedingt ein Kriterium, sie wegzuwerfen. Vielleicht kann man sie umgestalten oder anderen Menschen damit eine Freude machen. Wenn es neue Möbel sein sollen, gibt es auch einiges zu beachten.
Dies fängt schon bei der Holzauswahl an. Als ersten Schritt könnt ihr auf heimisches Holz zurückgreifen, wie zum Beispiel Fichte, Eiche oder Kiefer. Auf Tropenholz sollte verzichtet werden. Abgesehen vom langen Transport, welcher bei heimischem Holz entfällt, ist die Rückverfolgbarkeit schwieriger. Es gibt Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben und argumentieren, dass mit nachhaltig bewirtschafteten Wäldern auch Arbeitsplätze erhalten bleiben. Doch für die meisten Menschen ist es schwer nachzuvollziehen, ob dem auch so ist. Selbst das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council), das bekannteste Nachhaltigkeitssiegel für Holz, bietet keine Garantie. Denn trotz selbst festgelegter Kriterien unterliegt es auch den Regeln der einzelnen Länder. So kann FSC-zertifiziertes Holz aus dem Ausland auch aus Kahlschlag stammen, wie eine Studie von Professor Pierre Ibisch (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) aus dem Jahr 2020 zeigt. In Deutschland ist das eher nicht der Fall. Dennoch ist das Siegel bisher der beste Anhaltspunkt, auch wenn hier unbedingt nachgebessert werden muss.
Nachhaltige Möbel enthalten weniger schädliche Substanzen, sind langlebig und robust. Unternehmen, die nachhaltige Möbel anbieten, produzieren diese am besten nur auf Bestellung, damit es keine Überproduktion gibt. Oder sie verwenden recycelte Materialien und bieten auch Reparaturen an, um Ressourcen zu schonen. Noch besser sind Second-Hand-Möbel – auch für euren Geldbeutel. Andere Alternativen sind Stücke aus recyceltem Plastik oder Bambus. Bambus wird natürlich weit transportiert, doch er ist eine schnell nachwachsende Ressource. Auch Gesetze, welche Holzimporte aus illegaler Abholzung verhindern, sind wichtig. Also könnt ihr Druck auf Politiker*innen ausüben oder Organisationen unterstützen, die das tun.
Ein nachhaltiger Umgang mit Möbeln ist durchaus möglich. Wichtig ist vor allem, dass sich unser Denken und dadurch unser Konsumverhalten ändert. Weg von „Fast Furniture“, hin zu Langlebigkeit und Kreislaufwirtschaft. Vielerorts kann man diesen Wandel im Mindset schon beobachten. Es geht darum, den eigenen Besitz zu schätzen, statt neuen anzuhäufen. Denn hochwertige Möbel haben oft einen ganz eigenen Charakter, der sie besonders macht und im besten Fall mehrere Generationen begleitet. Am Ende wird es uns unsere Erde zurückzahlen: mit sauberer Luft, sauberem Wasser, einem stabilen Klima und einer großen Artenvielfalt.


Quellen und weitere Informationen
jetzt-nachhaltig.de: Nachhaltige Möbelproduktion
Warum billige Möbel schlecht für die Umwelt und Gesundheit sind
ZDF: nachhaltiger Konsum – Fast Furniture
ZDF Reportage: Die Upcycling-Challenge
Moebelwende.org: Warum wir diesen zerstörerischen Trend dringend stoppen müssen
Hausjournal.net: Tropenholzarten
Umweltdialog.de: Warum man auf Moebel aus Tropenholz verzichten sollte

Norman Schöne
aus dem Nepada Wildlife Kommunikationsteam
arbeitet in der Landwirtschaft, ist besonders fasziniert von Fledermäusen und überall auf der Welt Wildlife zu erleben
Das gefällt dir vielleicht auch
Das Leuser-Ökosystem: Sumatras bedrohte Arten brauchen Hilfe
Seit über 10 Jahren setzt sich das Forum Konservasi Leuser für den Erhalt des Leuser-Ökosystems a
Gibbonhilfe auf Borneo
Viel ist passiert seit unserem letzten Beitrag zu diesem Thema. Vielleicht erinnert ihr euch noch, w
Regenwälder des Ozeans – Warum Kelpwälder so wichtig sind
Gastbeitrag Dieser Gastbeitrag stammt von Elias, der sich im Rahmen eines Schulprojekts aus eigenem


