Essenszubereitung Gibbons

Als Volontärin beim Gibbon-Projekt – Teil 1

Unsere Projektmanagerin Jennifer ist im Juni 2022 nach Malaysia gereist, um unsere Partnerorganisation, die Gibbon Conservation Society (GCS), zu besuchen. Der Verein setzt sich für den Schutz der stark gefährdeten und in Malaysia beheimateten Gibbons ein.

Mariani Ramli, genannt »Bam«, die Gründerin der Gibbon Conservation Society, betreibt in Malaysia bereits das erste Gibbon Rehabilitations-Projekt (kurz: GReP). Mit der Unterstützung des Nepada Wildlife e.V. soll auch auf der Insel Borneo das erste GReP entstehen. Was Jennifer während ihrer Zeit in Malaysia und auf Borneo erlebt hat, erfahrt ihr hier:
Essenszubereitung Gibbons
Unsere Projektmanagerin Jennifer vor Ort in Malaysia - hier hilft sie bei der Essenszubereitung

Ankunft in Malaysia

ENDLICH! Nach zahlreichen Videotelefonaten darf ich nach Malaysia reisen, um Bam und ihr Team von der Gibbon Conservation Society persönlich kennenzulernen und sie bei ihrer Arbeit vor Ort zu begleiten.

Nach einem 14-stündigen Flug nach Kuala Lumpur und einer ca. dreistündigen Fahrt vom Flughafen kommen wir in Raub, Pahang an. Dort liegt die Station des Gibbon Rehabilitations-Projekt. Es ist nach 17 Uhr, was zu meiner kleinen Enttäuschung bedeutet, dass ich die Gibbons nicht mehr besuchen darf, da sie zur Ruhe kommen sollen. Dies ist vor allem für die Gibbons wichtig, die sich noch an den geregelten Tagesablauf (nachts schlafen, tagsüber wach sein) gewöhnen müssen – dazu später mehr.

Ich treffe Bam an einem Fluss unweit der Station. Sie begrüßt mich mit einem herzlichen »Willkommen in Malaysia« und strahlt. Nach so vielen Videotelefonaten ist es ein witziges, aber auch tolles Gefühl, sich persönlich zu sehen. Nach einem herrlich erfrischenden Getränk geht es zum Volunteer Haus. Dort lerne ich meine vorübergehenden Mitbewohner Koh und Chemi kennen, zwei der vier Mitarbeiter*innen des Projekts.
Zu ihren Aufgaben gehören die Versorgung der Gibbons, zum Beispiel die Zubereitung von Futter und Enrichment, so wird die Beschäftigung der Gibbons genannt, um ihre Lebensqualität zu steigern und Langeweile sowie stereotypischen Verhalten zu vermeiden. Darüber hinaus kümmern sie sich um die medizinische Versorgung und die Reinigung der Gehege und Utensilien. Durch das Beobachten der Primaten können die Mitarbeitenden den Rehabilitationsprozess dokumentieren und anpassen, falls sie Auffälligkeiten im Verhalten, Fell, Augen, Kot, etc.  erkennen.

Koh erzählt mir, dass es für ihn ein wichtiges Thema ist, dass Artenschutzarbeit als „echte Arbeit“ wahrgenommen wird und dass die Menschen hinter Artenschutzprojekten genauso relevant sind wie die Tiere selbst. Außerdem erfahre ich, dass der Erfolg eines Projekts auch davon abhängt, ob man die indigene Bevölkerung in die Artenschutzarbeit involviert. Ansonsten werden die Einheimischen oft von Wilderern ausgenutzt und damit beauftragt, Wildtiere zu fangen. Im Gegenzug erhalten sie Geld – oft ihre einzige Einnahmequelle.
Mariani "Bam" Ramli
Jennifer mit Mariani "Bam" Ramli, der Gründerin der GCS
Chemi und Syikin
Chemi (links) und Syikin (rechts)
Syikin und Koh, zwei der vier Mitarbeiter*innen des Projekts
Die Urbanisierung, der Straßenbau, die Rodung der Regenwälder führen zum Verlust der Lebensgrundlage der Indigenen und zur Veränderung ihres traditionellen Lebensstils. Viele Indigene besuchen keine öffentlichen Schulen, da sie innerhalb ihres Stammes ein eigenes Bildungssystem haben. Sie erlernen Fähigkeiten und Kenntnisse, die für das Leben in ihrem Lebensraum, dem Regenwald, essentiell sind. Geld für weitere Bedürfnisse wie Kleidung, aber auch Mobiltelefone oder Computer, können sie sich mit diesem Wissen in der Regel nicht verdienen. Diese Aussichtslosigkeit machen sich Wilderer leider gerne zu Nutze und bezahlen sie für das Jagen von Tieren.

Bam und ihrem Team ist die Zusammenarbeit mit Indigenen deshalb so wichtig, da es eine Möglichkeit für sie ist, ihre Fähigkeiten einzusetzen und damit Geld zu verdienen zu können. Ich freue mich auf die nächsten Wochen und weiß jetzt schon, dass es eine lehrreiche und ereignisreiche Zeit wird.
Spielende und Grenzen austestende Gibbons
Zwei Gibbons spielen und testen Grenzen aus

Die Arbeit mit den singenden Primaten

Mein Tag startet um 6:15 Uhr, die erste Fütterung steht um 7 Uhr an. Zuhause stehe ich ungerne früh auf, aber wenn ich dafür die Gibbons zu Gesicht bekomme, mache ich natürlich gerne eine Ausnahme 🙂 Bevor ich mich den kleinen Menschenaffen nähern darf, bekomme ich eine Einführung in die Verhaltensregeln, an die sich jede*r strikt halten muss:  
  • Keine hektischen Bewegungen 
  • Leise sprechen 
  • Wenig Augenkontakt (ein zu langes in die Augen schauen wirkt wie eine Herausforderung) 
  • Keine verbale Kommunikation mit den Gibbons  
  • Immer mindestens zwei Meter Abstand halten. Die Primaten haben sehr lange Arme, die sie auf der Station gerne mal nutzen, um nach einem zu greifen, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen.
Aktuell werden bei GreP zehn Weißhand-Gibbons (Hylobates lar) rehabilitiert, die alle aus illegaler Haustierhaltung kommen. Einige wurden konfisziert, andere wurden aufgrund der gelungenen Aufklärungsarbeit freiwillig bei dem Gibbon Rehabilitations-Projekt abgegeben.

Die nächsten Tage darf ich Koh bei seiner Arbeit begleiten. Von ihm erfahre ich mehr über die einzelnen Gibbons, die zwischen zwei und elf Jahre alt sind: Woher sie kommen, wie sie gehalten wurden, welches stereotypische Verhalten sie zeigen und welche Rehabilitationsmaßnahmen ergriffen werden.

In der Wildnis halten sich Gibbons in den Baumkronen auf und kommen so gut wie nie auf den Bodengrund. Zu groß ist die Gefahr vor Fressfeinden und Bakterien. Sie ernähren sich von Früchten, Blättern, jungen Zweigen und bewegen sich, wenn sie nicht gerade auf zwei Beinen gehen, über das beeindruckend schnelle »schwinghangeln« fort, was sie zu wahren Akrobaten macht. Eine weitere Besonderheit ist das Singen, welches ich einige Male hören durfte.
Enrichment
Das Team von GReP bastelt verschiedene Beschäftungsmaßnahmen für die Tiere
Um keine sogenannten "Stereotypien" zu entwickeln ist die Beschäftigung (»Enrichment«) der Gibbons ein essentieller Bestandteil für eine erfolgreiche Rehabilitation
Gibbons, die als Haustiere gehalten werden, leben oft über Jahre in kleinen Käfigen auf dem Boden und werden mit dem Essen gefüttert, welches die Besitzer*innen zu sich nehmen. Diese Art der Nahrung vertragen sie nicht, was oft zu schlimmem Durchfall führt. Hinterlassenschaften bleiben im Käfig, der häufig viel zu selten gereinigt wird, so dass lebensbedrohliche Krankheiten entstehen können. Da die Besitzer*innen tagsüber in der Regel arbeiten, schlafen die Gibbons während dieser Zeit und werden wach, wenn sie nach Hause kommen. In ihrem natürlichen Lebensraum ist das aktiv sein am Tag jedoch wichtig, da sie nicht an das Leben in der Dunkelheit angepasst sind. In Vorbereitung auf die Auswilderung gehört es zu den Rehabilitationsmaßnahmen, sie an ihren natürlichen Tag/Nachtrhythmus zu gewöhnen.

Die als Haustiere gehaltenen Gibbons können ihre Käfige oft nur selten verlassen und haben keine Möglichkeit, sich zu bewegen oder zu beschäftigen, so dass sie als Folge Stereotypien, wie Selbstverletzung, andauerndes Kopfschütteln, übermäßiges Fell rauszupfen oder anhaltendes Wippen  entwickeln. Daher ist die Beschäftigung (»Enrichment«) der Gibbons ein essentieller Bestandteil für eine erfolgreiche Rehabilitation.

Bekommen die Besitzer*innen die Energie der erwachsen werdenden Gibbons zu spüren, in dem sie während des »Freigangs« Räume verwüsten oder auch ihre Besitzer*innen angreifen, entscheiden diese sich manchmal dazu, sie im Wald auszusetzen – in der Regel das Todesurteil für die unerfahrenen Primaten. Je nachdem, wie lange und unter welchen Umständen ein Gibbon als Haustier gehalten wurde, kann der Rehabilitationsprozess sehr langwierig sein und 8-15 Jahre dauern. In freier Wildbahn werden sie rund 30-35 Jahre alt.

Ich lerne und erfahre viel über die Arbeit mit den stark gefährdeten Gibbons, darf bei der Zubereitung des Futters unterstützen und es mit ausreichend Abstand zu ihnen bringen. Ich gehe mit in den Wald, um Blätter und Zweige zu sammeln. Allerdings habe ich meine Suche auf den Boden beschränkt und bin nicht wie Chemi die Bäume hochgeklettert. Die tägliche Reinigung der Gehege und die Beobachtung der Gibbons gehören ebenfalls zu meinen Aufgaben. Meine Tage auf der Station vergehen wie im Flug und ich freue mich schon sehr darauf, die Station auf Borneo kennenzulernen.

Hier geht’s zu Teil 2: Große Pläne für die Gibbons auf Borneo!

Unterstütze das Gibbon-Projekt in Malaysia und auf Borneo mit einer Spende:

Kontoinhaber: Nepada Wildlife e.V.
IBAN: DE28 2005 0550 1206 1504 90
BIC: HASPDEHHXXX
Hamburger Sparkasse

Betreff: Gibbon-Projekt
Portrait Jennifer Shrestha
Jennifer Shrestha

Projektmanagerin des Nepada Wildlife e.V.

unterstützt unsere Partnerorganisation GCS und deren Gibbon Rehabilitationsprojekt

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