Fledermauskopf Modelle

The Bat Jungle

Fledermauskopf Modelle
Fledermäuse sind nach den Bienen die wichtigsten Bestäuber der Welt. Und es sind die einzige Säugetiere, die aktiv fliegen können. Sie gehören mit den Flughunden in die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) und bilden mit rund 1.340 verschiedenen Arten die artenreichste Ordnung der Säuger. Allein hier in Costa Rica gibt es 115 verschiedene Fledertiere, in ganz Europa gerade 52.
Im »Bat Jungle« von Monteverde lerne ich alles über die beeindruckenden Eigenschaften der Fledermäuse (Microchiroptera), ihre unglaubliche Vielfalt und ihre leider starke Bedrohung. Vino, ein Belgier, der seit vielen Jahren mit Fledermäusen in Costa Rica arbeitet und dem der »Bat Jungle« gehört, erzählt mit so einer packenden Begeisterung von den kleinen Fledertieren, dass wir ihm alle sprachlos an den Lippen hängen. Er versichert uns: »Ihr werdet diese Ausstellung mit einer ganz anderen Wertschätzung für Fledermäuse, und was sie alles für Euch tun, verlassen!« Und er hatte Recht.
Vino Local Hero
Vino ist Belgier und Biologe und arbeitet schon viele Jahre mit Fledertieren. Für ihn sind »bats the master of all senses!«.

Missverständnisse und Gerüchte

Zu Anfang klärt er uns über die großen Missverständnisse auf. Fledermäuse sind nicht mit Vögeln oder – wie ihr Name vermuten lässt – mit Mäusen verwandt. Die nächsten Verwandten wären Lemuren, also Halbaffen. Dass sich Fledermäuse nur von Blut ernähren, ist ebenfalls ein Gerücht. Von den 1.340 verschiedenen Arten in der Welt gibt es nur drei, die sich tatsächlich von Blut ernähren. Die Vampirfledermäuse (Desmodontinae) leben ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent, sind nur bis zu 10 cm groß und nehmen bei einer Mahlzeit gerade mal 20 Milliliter Blut auf. Wir kennen aus dem Balkanraum die Legenden von Vampiren, die sich von menschlichen Blut ernähren, doch diese können schon aufgrund der geographischen Distanz nicht von Fledermäusen beeinflusst sein. Diese kleinen »Vampire« gibt es schließlich nur in Amerika. Vielmehr wurde das negative Bild von Fledermäusen durch »Dracula« oder andere Vampirgeschichten geprägt. Auch die große Gefahr sich über Fledermausbisse an Tollwut zu infizieren, bleibt ein Missverständnis. Möglich wäre dies eh nur auf dem amerikanischen Kontinent, jedoch sind so wenige Fälle bekannt, dass man diesen Infektionsweg quasi ausschließen kann.
Fledermäuse
70% aller Fledermäuse ernähren sich von Insekten, 29% von Früchten und Nektar und nur knapp 1% von Blut.

Sie hängen kopfüber von den Bäumen, damit sie so wenig Energie wie möglich verbrauchen.

70% aller Fledermäuse ernähren sich von Insekten, 29% von Früchten und Nektar und nur knapp 1% von Blut oder kleinen Vögeln. Viele Fledermäuse sind zum Beispiel wichtige Bestäuber von Kakteenarten wie der Agave, aus der Tequila hergestellt wird. Deswegen wird die in Mexiko vorkommende Art auch gerne liebevoll Tequila-Fledermaus genannt. Auch für die Verbreitung von Pflanzensamen ist die Fledermaus äußerst wichtig, da sie, anders als Vögel, während des Flugs ihren Kot ausscheiden und damit eine viel weitere Verbreitung des wertvollen Saatguts ermöglichen. Tatsächlich werden zum Beispiel in Costa Rica 80% aller Samen durch Fledermauskot verbreitet.
Es ist vollkommen falsch, das Fledermäuse schlecht sehen oder gar blind seien. Sie leben zwar tagsüber in dunklen Höhlen oder Verstecken, besitzen aber ein besseres Sehvermögen als der Mensch. Trotz des gut ausgebildeten Seh- und Hörvermögens, sowie dem guten Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinns, orientieren sie sich während des Fluges durch Echoortung: Mit dem Mund oder der Nase stoßen sie Laute ab, die im Ultraschallbereich liegen, also jenseits des menschlichen Hörvermögens. Dies wird auch gerne als »sechster Sinn« bezeichnet. Laut Vino bleiben »bats the master of all senses!«. Es gibt sogar eine zeltbauende Fledermaus (Uroderma bilobatum), die sich jede Nacht als Versteck ein Zelt aus Palmen- oder Bananenblättern baut, sehr beeindruckend. Im Bergnebelwald von Selvatura entdecken wir ein solches »Zelt« mit zwölf kleinen, schlafenden Fledermäusen darin.
Fledermaus
80% aller Pflanzensamen werden in Costa Rica über Fledermauskot verbreitet.

Warum sind Fledermäuse so bedroht?

Fledermäuse haben nur wenige natürliche Fressfeinde und werden bis zu 15, manche sogar bis zu 25 Jahre alt. Und trotzdem zählen sie zu den meist bedrohten Tieren der Welt. Zwölf Arten sind laut der internationalen Naturschutzunion (IUCN) schon ausgestorben, 75 weitere gelten als stark bedroht. Warum ist das so? Eine der größten Bedrohungen stellen, wie bei so vielen Umweltproblemen, die Menschen dar. Höhlen waren lange Zeit der wichtigste Rückzugs- und Schlafplatz der Fledermäuse, aber da diese von Menschen zum Bergbau, Tourismus o.ä. genutzt wurden, mussten die Fledermäuse weichen. Auch in den von menschengemachten Behausungen, wie Ruinen, Dachböden oder Schuppen werden Fledermäuse immer weniger. Die Bewohner wollen die kleinen Fledertiere nicht in ihrer Nähe haben, oft aus (falscher) Angst, sie könnten sie beißen oder Krankheiten übertragen. Oft führen guten Dachisolierungen sowie giftige Inhaltsstoffe in Wandfarben oder Lacken zum Rückgang der Tiere.
Straßen, Windkraftanlagen und Lichtverschmutzung vertreiben die Fledermäuse.
Eine weitere Hürde sind die unzähligen Straßen und Autobahnen. Fledermäuse müssen mindestens 4 km entfernt von jeglichen großen und starkbefahrenen Straßen leben, da der Lärm zu viel Stress und Desorientierung bedeutet. Außerdem können sie die großen Verkehrsadern nicht überqueren. Sie durch-schneiden ihren Lebensraum und grenzen ihn stark ein.
Windkraftanlagen stellen ebenfalls ein erhebliches Problem für die Fledermäuse dar. Leider kommen die Tiere immer wieder an Windrädern zu Tode. Auch die sogenannte Lichtverschmutzung wirkt sich negativ auf die kleinen Säuger aus. Insbesondere nächtliches künstliches Licht lockt Insekten an. In einer einzigen Sommernacht gehen an einer Straßenlaterne durchschnittlich 150 Insekten zugrunde. Rechnet man das auf die ca. 6,8 Millionen Straßenlaternen auf deutschen Straßen hoch, sind dies jede Nacht über eine Milliarde Insekten. Da bleibt weniger Fressen für die Fledertiere übrig.
Skelett Riesenflughund
Das Skelett eines Indischen Riesenflughundes (Pteropus giganteus). Er ist mit einer Flügelspannweite von über 1 Meter eines der größten Fledertiere der Welt. Dagegen ist die kleinste Fledermaus nur 3cm lang und 2g schwer.
Eine der dramatischsten Bedrohungen für Fledermäuse stellt aktuell das »White-Nose-Syndrom« dar. Es handelt sich dabei um einen Pilz, der sich vor allem in der Nasenregion festsetzt und zum Massensterben der kleinen Säuger führt. Seit 2006 breitet sich diese Pilzerkrankung (Mykose) unausweichlich in den USA aus und es wurde noch kein Weg gefunden, die Seuche zu stoppen. Es handelt sich dabei um das größte Säugetieraussterben der Geschichte.

Was können wir gegen das Aussterben der Fledermäuse tun? EUROBATS ist ein Abkommen zum Erhalt der europäischen Fledermauspopulationen. Es verpflichtet die Vertragsstaaten zum Schutz von Fledermäusen und klärt über Bedrohungen und konkrete Handlungsansätze auf. Es steht unter der Schirmherrschaft des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten, auch bekannt unter dem Namen „Bonner Konvention“.
Skelett Flughund
Fledermäuse fliegen quasi mit den Händen: Zwischen den verlängerten Fingerknochen spannt sich eine Flughaut (Patagium) bis zum Hals und zu den Hinterbeinen und darüber hinaus bis zum Schwanz.
Fledermauskopf Modelle
Die Köpfe der verschiedenen Fledermausarten unterscheiden sich beträchtlich. Viele Arten haben große Nasenblätter oder andere Gesichtsstrukturen entwickelt, die zum Aussenden oder Verstärken der Ultraschallaute dienen. Die Ohren, die bei manchen Arten drastisch vergrößert sind, sind oft mit Rillen oder Furchen versehen, um die Echoortung zu verbessern.
Doch was kann jeder von uns für Fledermäuse tun? Kauft, baut oder verschenkt Fledermaus-Kästen. Diese Nistkästen schaffen den nachtaktiven Tieren ein Quartier, in dem sie tagsüber schlafen, ihre Jungen zur Welt bringen oder Winterschlaf halten können. Laut Vino ein absolutes »MUST HAVE« für jeden, der eine Hauswand hat und Lust, die wundersamen fliegenden Säuger am Leben zu erhalten. Egal, ob ein Haus in der Stadt, auf dem Land oder das kleine Gartenhäuschen von Oma. Fledermäuse gibt es überall.
Portrait Hannah Emde
HANNAH EMDE

Autorin, Gründerin und 1. Vorsitzende des Vereins

berichtet von ihren Einsätzen als Tierärztin in internationalen Artenschutzprojekten

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.