
Die Tenharim geben Feuerwehrkurse beim Volk der Fledermäuse

Ein unerwartetes Wiedersehen mit den Tenharim: Ich war vor ein paar Wochen im südwestlichen Amazonasgebiet unterwegs, in der Grenzregion zu Bolivien, um das „Volk der Fledermäuse“ zu besuchen. Das ist ein wehrhaftes Grüppchen Indigener, das diesen Namen von den Nachbarvölkern verpasst bekommen hat, weil es früher quasi bloß in der Nacht gejagt und Kriege geführt hat.
Inzwischen haben die „Fledermäuse“ allerdings einen normaleren Tag-Nacht-Rhythmus. Im Hauptdorf geht es auch moderner zu, in den Holzhütten stehen Fernseher und Kühlschränke. Doch die Moçegos, wie sie sich auf Portugiesisch heißen, wachen außerdem über ein riesiges Stück Wald, das sie gegen Holzfäller und brandrodende Viehwirte verteidigen. Sie leben in dauerndem Konflikt, weil diese Nachbarn immer wieder zerstörerische Feuer ausbrechen lassen. Die „Fledermäuse“ haben vor ein paar Monaten beschlossen, endlich mehr dagegen zu tun.
Bekannte Gesichter mitten im Regenwald
Ich staunte jedenfalls bei den Moçegos nicht schlecht, als ich aus meinem Boot stieg, an Land ging und gleich jemand „Thomas!“ rief. Im Schatten der Bäume erkannte ich Rosário Tenharim: Er ist der Vater von Madarejúwa Tenharim, den ich über Jahre hinweg immer wieder für ein Buchprojekt im Urwald besucht hatte. Er ist Mitglied der Feuerwehr der Tenharim. Diese Waldfeuerwehr, die seit Jahren Großfeuer im Tenharim-Gebiet bekämpft, wurde von Nepada Wildlife e.V. mit mobilen Starlink-Antennen für ihre Einsätze unterstützt.
Die Tenharim sind inzwischen so gut in der Feuerbekämpfung per Schnelleinsatz, dass die brasilianische Indianerschutzbehörde Funai und die Umweltschutzbehörde Ibama sie auch anderswo in den Wald entsenden. Zum Beispiel hierher, zu dem 1000 Kilometer entfernt lebenden Volk der Moçego, damit sie ihr Wissen weitergeben.

Brandbekämpfung im Amazonas
Rosário trug, als ich ihn traf, die knallgelbe Uniform seiner indigenen Feuerwehrtruppe, auf deren Rücken ein Ameisenbär aufgedruckt ist. Er erläuterte seinen Gastgebern, dass es nicht nur darauf ankommt, die Feuer früh zu bemerken und mithilfe von Satellitenkarten zu lokalisieren. Er hielt Vorträge darüber, wie man schnell zu den wichtigsten Brandherden kommt, wie man den Wind einschätzt, wie man Schneisen schlägt. Mit den Moçego gemeinsam dachte er schon über Schritte nach, die nach einem solchen Feuer folgen müssen. Wo der Boden es hergibt, kann man bald wieder Saatgut für neue Bäume ausbringen. Wo er es nicht hergibt, muss man vorher Setzlinge ziehen.
„Irgendwann erholt sich der Wald dann wieder, auf den verbrannten Stellen kann wieder etwas Neues entstehen“, erklärte uns Estevan Oro Noó, einer der Dorfältesten. Gewonnen habe man, wenn die kleinen und später die großen Wildtiere zurückkehren. In ihrem Fell trügen sie das Saatgut all der anderen Pflanzen durch die frisch wachsenden Gebiete, so dass nach ein paar Jahren wirklich wieder der vertraute Wald entsteht.


Thomas FIschermann
Reporter und Autor
hat den Kontakt zwischen Nepada Wildlife und den Tenharim hergestellt
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