Eine gelbe Kakaofrucht

Schokolade – Eine süße Bedrohung für Mensch und Artenvielfalt?

Eine gelbe Kakaofrucht
Egal ob braun, dunkel oder weiß. Egal ob als Tafel, Praline, Riegel oder als Pulver zum Trinken – Schokolade erfreut sich nicht nur in Deutschland großer Beliebtheit. Alleine in Deutschland lag der Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2023 bei 8,9 kg. Auch der Preis für Kakao, der Rohstoff zur Herstellung, ist seit 2005 kontinuierlich gestiegen. So betrug der durchschnittliche Handelspreis für eine Tonne Kakao im April 2025 durchschnittlich 7.281,31 €. Doch die große Beliebtheit von Schokolade wandelt sich immer mehr vom Segen zum Fluch. Denn zunehmend werden die negativen Folgen für Umwelt, Klima und Menschen sichtbar. Können wir auch bewusster Naschen?

Food
for Thought

Die Kakaopflanze braucht tropisches Klima zum Wachsen. Demzufolge befinden sich die Hauptanbaugebiete in Ländern rund um den Äquator. In Afrika sind dies zum Beispiel Ghana und Côte d’Ivoire. In Südamerika Brasilien, Ecuador oder Kolumbien. Auch in Teilen Südostasiens wird Kakao angebaut. Doch bevor daraus Schokolade wird, ist es ein langer Weg. Denn bevor es zur Bildung der Kakaofrucht kommen kann, muss die Pflanze erst bestäubt werden. Dies erledigt ein Insekt, welches man eher mit anderen Dingen verbindet. Aufgrund des komplizierten Aufbaus und der geringen Blütengröße ist nur eine bestimmte Gattung von Mücke dazu im Stande, und zwar die 3 mm große Bartmücke.
Sobald die Früchte beginnen, sich gelb zu färben, werden sie vom Baum abgeschlagen. Danach folgen noch mehrere Verarbeitungsschritte, zum Beispiel Fermentation und Trocknung. Jeder dieser Schritte benötigt normalerweise mehrere Tage. Die nächsten Verarbeitungsschritte werden nur in den wenigsten Fällen noch im Anbauland durchgeführt. Der Kakao-Rohstoff wird nach Europa oder Nordamerika exportiert. Hier wird der Kakao erst gereinigt und mit Wasserdampf zur Keimabtötung behandelt. Danach werden die Bohnen bei maximal 150 °C geröstet. Dann gebrochen, die Schale entfernt und zu Pulver gemahlen. Bei dieser Reibung schmilzt die Kakaobutter ab.
Kakaoplantage
Kakaoplantagen werden oft in Monokulturen angebaut. © Kristiana Pinne / Unsplash

Die
Preisfrage

Konventionell angebauter Kakao wird in Monokulturen angebaut. Dazu müssen große Flächen an Regenwald gerodet werden. Und meistens können diese dann nur wenige Jahre genutzt werden. So wurden alleine für Kakao Millionen Hektar Wald gerodet. Viele Tiere und Pflanzen verlieren dadurch ihren Lebensraum, was zu einem Verlust der Artenvielfalt führt. Die Abholzung hat negative Auswirkungen auf das Klima, Wälder können nicht mehr so viel CO₂ speichern und Wasserkreisläufe werden gestört. Böden trocknen stärker aus, die Erosion nimmt zu. Denn sie bieten Wetterextremen mehr Angriffsfläche. Auch der Kakaobaum selbst leidet unter diesen Extremen sowie unter neuen Krankheiten. Der Wasserverbrauch entlang der gesamten Produktionskette ist enorm. Laut einigen Schätzungen werden für ein Kilogramm Schokolade 10.000 Liter Wasser benötigt. Zudem sind Wasserquellen häufig mit Chemikalien belastet. Eine Folge des hohen Einsatzes an Pestiziden und anderen Mitteln. Lange Transportwege zwischen verschiedenen Produktionsorten führen ebenfalls zu einem hohen Ausstoß an CO₂.
Auch die Menschen in den Regionen des konventionellen Anbaus spüren die Auswirkungen. Der Einsatz von Chemikalien und die daraus resultierende Verschmutzung von Trinkwasser stellt eine große Gesundheitsgefahr dar. Dann wären da noch die sozialen Probleme. Oft sind die Bauern nicht die Landinhaber, haben somit keine Landrechte. Von den hohen Kakaopreisen in unseren Breitengraden kommt dort nicht viel an, ein ausreichendes Einkommen fehlt. Dies führt dazu, dass auch Kinder auf den Plantagen arbeiten müssen. Ebenso gibt es häufig nur schlechte Arbeitsbedingungen.
Kakaofrüchte am Baum
Kakao wird in Monokulturen angebaut. © Ly Le Minh / Unsplash
Verschiedene Tafeln Schokolade
Die Produktion von Schokolade hat Auswirkungen auf die Natur. © Tetiana Bykovets / Unsplash

Zum
Mitnehmen

Die Frage ist daher, wie können wir den Anbau von Kakao nachhaltiger gestalten? Hier rückt die Variante des Agroforstsystems immer mehr in den Mittelpunkt. Dabei wird der Kakao nicht als Monokultur angebaut, sondern als Teil einer Pflanzengemeinschaft oder als Teil des Waldes. Der Kakao wird mit anderen Nutzpflanzen, wie zum Beispiel Bananen, vergesellschaftet. Dieses System bietet viele Vorteile. Die Pflanzen bieten sich gegenseitig Schutz vor Wetterextremen, wie Starkregen oder Dürre. Zudem sind sie widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Parasiten.

Auch die Artenvielfalt wird gefördert, beziehungsweise bleibt erhalten. Das Klima wird nicht geschädigt, da kein Wald abgeholzt werden muss. Das Grundwasser wird nicht belastet, da keine Agrochemikalien eingesetzt werden müssen. Zudem bleibt die Bodenfruchtbarkeit erhalten. Natürlich muss sich diese Art des Kakaoanbaus auch für die Menschen lohnen. Neben positiven Umweltaspekten können auch andere Pflanzen als Nahrungsmittel angebaut werden. Entweder direkt als Nahrung oder zum Verkauf. Übrigens muss diese Art von Anbau nicht zu geringerem Ertrag führen, wie Untersuchungen der Welthungerhilfe zeigten.
Doch wie können wir als Verbraucher*innen einen positiven Einfluss ausüben? Natürlich steht an erster Stelle der bewusste Kauf und Konsum von Schokolade. Beim Kauf kann auf verschiedene Siegel geachtet werden. Das EU-Bio-Siegel und das FairTrade-Siegel sind sicherlich die bekanntesten. Auch wenn diese nicht perfekt sind, bieten sie doch eine gewisse Grundlage. Wer höhere Standards möchte, kann auf Siegel von Anbauverbänden achten. Auch kann geschaut werden, wie viele Produktionsschritte direkt vor Ort stattfinden. Das sorgt für Arbeitsplätze direkt bei den Menschen und auch für kürzere Transportwege.

Eine gute Wahl sind nachhaltig wirtschaftende Kooperativen. Diese gewährleisten den Bäuerinnen und Bauern ein Grundeinkommen. So können sie sicher arbeiten und ihre Kinder zur Schule schicken. Eine Hilfe könnte die Schokoladen-Scorecard sein. Sie gibt einen Überblick über die verschiedenen Unternehmen und ihre Kriterien für die Schokoladenproduktion. So soll Transparenz und Rechenschaftspflicht gefördert werden.

Oder wie wäre es mit Schokolade ohne Kakao? Hier werden an Stelle von Kakaopulver Alternativen wie Hafer verwendet. Auch politisch kann man etwas bewirken. So soll das Lieferkettengesetz sicherstellen, dass kein Regenwald für die Herstellung abgeholzt wurde. Also wäre die Abschaffung dieses Gesetzes ein Rückschritt.
Am Ende des Tages sollte sich jede*r bewusst sein, Schokolade ist kein Grundnahrungsmittel. Es ist und bleibt ein Luxusprodukt. Wertschätzung und ein nachhaltiger Konsum haben einen großen Einfluss auf Umwelt, die Menschen und unsere Gesundheit. Denn keine Schokolade ist auch keine Lösung.
Mehrere Stückchen Schokolade
Die Herstellung von Schokolade ist aufwändig. © Tetiana Bykovets / Unsplash
Ein Baum mit Kakaofrüchten
Schokolade ist ein Luxusgut. © Tope A. Asokere / Unsplash
Portrait Norman Schöne
Norman Schöne

aus dem Nepada Wildlife Kommunikationsteam

arbeitet in der Landwirtschaft, ist besonders fasziniert von Fledermäusen und überall auf der Welt Wildlife zu erleben