Arbeiterinnen und Arbeiter ernten Baumwolle

Biopiraterie: Wie können Natur und indigenes Wissen geschützt werden?

Arbeiterinnen und Arbeiter ernten Baumwolle
Baumwolle wird von Arbeiterinnen und Arbeitern geerntet. © Pexels by Equalstock
Die Natur versorgt uns mit einem großen Reichtum an Nahrung, Arzneimitteln und sogar kosmetischen Produkten. Basmati-Reis, Stevia, Rooibos, Pelargonium-Wurzel, Quassia amara oder Carnauba-Wachs– die Liste von Produkten, welche sich bei uns großer Beliebtheit erfreuen oder in Medikamenten und Kosmetika Verwendung finden, ist lang. Viele haben ihren Ursprung im globalen Süden, in Regionen mit hoher Biodiversität. Doch genau hier liegt das Problem. Oft ziehen die Länder oder Unternehmen des globalen Nordens einen großen Profit daraus, ohne dass die Ursprungsregionen einen Nutzen davon haben. All diese Produkte sind Beispiele von Biopiraterie.
Medikamente können Biopiraterie fördern
Auch Medikamente können von Biopiraterie betroffen sein. © Pexels by A. Pasaric

Folgen für Mensch und Umwelt

Viele Beispiele für Biopiraterie, wie Stevia aus Peru, Basmati-Reis aus der Himalaya-Region, der indische Neem-Baum oder das Madagaskar-Immergrün stammen aus Regionen mit hoher Biodiversität. Oft sind indigene Völker die Quelle des Wissens um diese Stoffe oder Pflanzen. Wenn es ihnen weggenommen wird, ohne dass sie davon profitieren, hat das Folgen. Durch die Patentierung verlieren diese Völker ihre kommerziellen Vermarktungsrechte oder auch die Nutzungsrechte.
Sie haben kein Einkommen mehr, keine Lebensgrundlage. Die Menschen finden keine andere Arbeit mehr oder müssen für niedrige Löhne auf den Plantagen schuften, auf dem diese Pflanze jetzt für Konzerne angebaut wird. Auch werden manche Pflanzen einfach in anderen Ländern kultiviert, etwa das peruanische Stevia in China und den USA.
Teilweise werden Indigene auch aus ihrer Heimat vertrieben. Berichten zufolge begingen einige indische Bauern sogar Selbstmord, weil sie ihre Lebensgrundlage verloren hatten. Der indische Neem-Baum wird schon seit Jahrhunderten in Indien geschätzt und genutzt. Viele seiner Pflanzenteile, wie Rinde oder Blätter enthalten Wirkstoffe als Heilmittel oder zur biologischen Schädlingsbekämpfung.
Doch weil eine US-amerikanische Firma einen Neem-Ölauszug zur Insektizidherstellung patentierte, stieg der Preis für die Früchte so stark an, dass die Pflanze für die heimisch Bevölkerung unbezahlbar wurde.
Auch die Biodiversität ist bedroht. Viele Wildbestände von Pflanzen, wie zum Beispiel Stevia, sind stark bedroht. Doch jede Pflanze, jeder Organismus spielt eine wichtige Rolle im jeweiligem Ökosystem. Zudem werden große Monokulturen angelegt und mit Pestiziden behandelt. Doch das Problem betrifft nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere und Mikroorganismen, welche für die Industrie von Bedeutung sein könnten.
Die Felder benötigen viel Wasser.
Viele Indigene leisten schwere Farmarbeit. © Pexels by Setengah Lima Sore

Abkommen gegen Biopiraterie

Ein erstes Abkommen gegen Biopiraterie ist das Übereinkommen zur biologischen Vielfalt. 1992 von 150 Staaten unterzeichnet, soll es den Erhalt der biologischen Vielfalt sicherstellen und Staaten das Recht einräumen, an „ihren“ biologischen Schätzen zu verdienen. Doch im nationalen Recht wird es kaum umgesetzt.
Das TRIPS-Abkommen legt fest, wie geistiges Eigentum – also Ideen, Erfindungen oder kreative Werke – weltweit im Handel geschützt werden. Es beeinflusst damit, wer Zugang zu Wissen, Medikamenten oder Saatgut hat. Doch dies wird erst wirksam, wenn das Patent anerkannt ist.
Kosmetik-Produkte können Biopiraterie fördern.
Manche Kosmetik-Produkte fördern Biopiraterie. © Pexels by Anderson Guerra
Im Jahr 2014 trat das Nagoya-Protokoll in Kraft, benannt nach der gleichnamigen japanischen Stadt. Darin wird der Zugang zu genetischen Ressourcen geregelt. Die Gewinne, die aus der Nutzung oder dem Wissen entstehen, sollen gerecht verteilt werden. Nicht zwangsläufig nur mit Geld, sondern auch mit der Beteiligung an Forschungsprojekten. Ebenfalls soll es dem Naturschutz dienen, indem die Nutzer*innen in entsprechende Projekte investieren.
Beide Parteien sollen selbst über Höhe und Form des Ausgleichs verhandeln. Und hier liegt auch das Problem. Die Industriestaaten legen es zu ihrem Vorteil aus. Für sie gilt es nur für Ressourcen, die nach dem Inkrafttreten des Protokolls entdeckt wurden. Doch die Länder des Südens argumentieren, jegliche Nutzung sei davon betroffen. Das ist ein riesiger Unterschied.
Im Jahr 2024 wurde das Montreal-Abkommen verabschiedet. Hier wurde unter anderem das Ziel festgelegt, bis 2030 30 % der Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Auch die Rechte der indigenen Völker und Gemeinschaften sollen in diesem Zuge gestärkt werden.

Was kann man gegen Biopiraterie tun?

Biopiraterie ist ein sehr komplexes Thema. Wie die Übersicht der Abkommen zeigt, ist die Rechtlage noch nicht einheitlich geregelt und es gibt Umsetzungs-schwierigkeiten. Dieser Beitrag soll auf das Thema aufmerksam machen und einen Überblick geben, denn das ist der vielleicht wichtigste Punkt. Das Problem ist bei uns einfach kaum bekannt. Mehr Aufmerksamkeit kann helfen, um den Druck auf Politik und Industrie zu erhöhen.
Wir selbst können in unserem täglichen Leben auch einen Beitrag leisten. In dem wir beim Einkauf darauf achten, was wir kaufen und wie es produziert wurde – am besten fair und nachhaltig. Auch wenn es nicht zwingend etwas darüber aussagt, ob Inhaltsstoffe oder das Produkt selbst vorher durch Biopiraterie gewonnen wurden, stellt es zumindest sicher, dass die Menschen vor Ort ein sicheres Einkommen haben und die Umwelt weniger belastet oder zerstört wird.
Oft sind die indigenen Völker auch bereit, ihr Wissen und ihre Schätze zu teilen, wenn sie fair behandelt werden. Doch genau hierfür müssen Grundlagen geschaffen werden. Unsere Erde ist kein Selbstbedienungsladen, in dem wir uns einfach nehmen können, was wir wollen. Denn schließlich gibt sie uns schon alles, was wir zum Leben brauchen. Also sollten wir sie und ihre Beschützer*innen mit größtem Respekt behandeln.
Trockene Felder mit Monokulturen
Viele Monokulturen wachsen auf Feldern. © Pexels by Cristian Rojas
Portrait Norman Schöne
Norman Schöne

aus dem Nepada Wildlife Kommunikationsteam

arbeitet in der Landwirtschaft, ist besonders fasziniert von Fledermäusen und überall auf der Welt Wildlife zu erleben