
Die Facetten des Wildtier-Tourismus

Safaris in Nationalparks, Gorilla Trekking, Elefantenreiten, das Streicheln und Posieren mit jungen Wildkatzen. Der Wildtier-Tourismus hat viele Gesichter. Die gute Nachricht vorab: Nicht alle davon sind per se schlecht für die Tiere. Einige können auch zum Schutz von Wildtieren beitragen, wie bereits in unserem Blogbeitrag »Reiselust trotz Klimafrust« beschrieben. Doch es lohnt sich genau hinzusehen. Nicht überall, wo »Rescue« oder »Sanctuary« draufsteht, geht es wirklich um das Wohl der Tiere oder gar darum, sie wieder auszuwildern. Wichtig ist daher, die einzelnen Angebote kritisch zu hinterfragen.
Food
for Thought
Die am weitesten verbreitete Form des Wildtier-Tourismus ist eine Safari. Egal, ob zu Fuß oder mit dem Auto erkunden Reisende spezielle Schutzgebiete und Nationalparks. Vielerorts werden die Einnahmen durch Parkeintritte für die Bezahlung ausgebildeter Ranger genutzt, um die Tiere vor Wilderern zu schützen. Trotzdem ist es wichtig, dass die sensiblen Ökosysteme und ihre Tierwelt nicht durch den Einlass zu vieler Touristen überlastet werden. Oft profitieren jedoch nicht alle Bevölkerungsgruppen vor Ort von den Tourismuseinnahmen. Es kann durch das gehobene Preisniveau sogar dazu kommen, dass sich Anwohner*innen den Eintritt in Schutzgebiete oder Nationalparks nicht mehr leisten können. Dadurch entsteht die Gefahr, dass der Bezug zu den heimischen Wildtieren verloren geht. Im Gegensatz dazu stellt der wachsende Markt für Buschfleisch sowie die traditionelle chinesische Medizin eine verlockende Einnahmequelle dar. Die Abschüsse durch Wilderer nehmen daher generell und insbesondere in der aktuellen Zeit, wo die Einnahmen durch den Tourismus einbrechen, zu.
Dennoch kann der hochpreisige Safari-Tourismus auch als Chance für den Erhalt seltener und bedrohter Wildtierarten gelten. Ein positives Beispiel hierfür ist der Einfluss des Tourismus auf den Erhalt der Berggorillas in Uganda. Durch den relativ kostspieligen Parkeintritt für Personen, die nicht aus Ostafrika stammen[1], konnte ein effektiver Schutz der Primaten durch Ranger sowie Tierärzt*innen finanziert werden und die Population erholte sich.[2]
Neben Safaris werden jedoch auch andere touristische Aktivitäten angeboten, die sich oft am Rande der Legalität bewegen oder sogar illegal sind. Exotische Tiere werden aus ihrem natürlichen Lebensraum entnommen und mental gebrochen, um bestimmte Verhaltensweisen an den Tag zu legen oder Dinge über sich ergehen zu lassen, die sie in freier Wildbahn niemals zulassen würden. Ein bekanntes Beispiel ist das Reiten auf Elefanten. Den meisten Tourist*innen ist nicht bewusst, dass die häufigen Behauptung, die Elefanten stammten aus Zirkussen oder wurden verletzt aus der freien Wildbahn gerettet, einfach nicht stimmen, sondern die Tiere nur für touristische Zwecke gefangen werden. Darüber hinaus wird ihnen mit speziellen Elefantenhaken Schmerz zugefügt [3], damit sie ihren Peinigern gehorchen. Nachts werden die Dickhäuter angekettet. Ein weiteres Beispiel sind Spaziergänge mit jungen Löwen, die häufig, wenn sie zwei oder drei Jahre alt sind ausgemustert und zum Abschuss an Trophäenjäger verkauft werden.[4] Auch das Betäuben von Wildkatzen, damit die Tiere ruhig genug sind, um von Touristen gestreichelt zu werden, ist eine häufig angewendete Praxis. Der vor einigen Jahren medial viel beachtete Tigertempel in Thailand funktionierte ähnlich. Nachdem die jungen Tiger ihren Müttern entrissen und per Flaschenaufzucht direkt an den Menschen gewöhnt wurden, nutzte man sie zunächst für touristische Zwecke. Wenn die Tiere dann zu groß und damit dem Menschen gefährlich werden konnten, wurden sie getötet. Knochen, Fleisch und Felle wurden anschließend für viel Geld verkauft, da Körperteile des Tigers in der traditionellen chinesischen Medizin als potenzsteigernd gelten[5].
Dennoch kann der hochpreisige Safari-Tourismus auch als Chance für den Erhalt seltener und bedrohter Wildtierarten gelten. Ein positives Beispiel hierfür ist der Einfluss des Tourismus auf den Erhalt der Berggorillas in Uganda. Durch den relativ kostspieligen Parkeintritt für Personen, die nicht aus Ostafrika stammen[1], konnte ein effektiver Schutz der Primaten durch Ranger sowie Tierärzt*innen finanziert werden und die Population erholte sich.[2]
Neben Safaris werden jedoch auch andere touristische Aktivitäten angeboten, die sich oft am Rande der Legalität bewegen oder sogar illegal sind. Exotische Tiere werden aus ihrem natürlichen Lebensraum entnommen und mental gebrochen, um bestimmte Verhaltensweisen an den Tag zu legen oder Dinge über sich ergehen zu lassen, die sie in freier Wildbahn niemals zulassen würden. Ein bekanntes Beispiel ist das Reiten auf Elefanten. Den meisten Tourist*innen ist nicht bewusst, dass die häufigen Behauptung, die Elefanten stammten aus Zirkussen oder wurden verletzt aus der freien Wildbahn gerettet, einfach nicht stimmen, sondern die Tiere nur für touristische Zwecke gefangen werden. Darüber hinaus wird ihnen mit speziellen Elefantenhaken Schmerz zugefügt [3], damit sie ihren Peinigern gehorchen. Nachts werden die Dickhäuter angekettet. Ein weiteres Beispiel sind Spaziergänge mit jungen Löwen, die häufig, wenn sie zwei oder drei Jahre alt sind ausgemustert und zum Abschuss an Trophäenjäger verkauft werden.[4] Auch das Betäuben von Wildkatzen, damit die Tiere ruhig genug sind, um von Touristen gestreichelt zu werden, ist eine häufig angewendete Praxis. Der vor einigen Jahren medial viel beachtete Tigertempel in Thailand funktionierte ähnlich. Nachdem die jungen Tiger ihren Müttern entrissen und per Flaschenaufzucht direkt an den Menschen gewöhnt wurden, nutzte man sie zunächst für touristische Zwecke. Wenn die Tiere dann zu groß und damit dem Menschen gefährlich werden konnten, wurden sie getötet. Knochen, Fleisch und Felle wurden anschließend für viel Geld verkauft, da Körperteile des Tigers in der traditionellen chinesischen Medizin als potenzsteigernd gelten[5].



Die
Preisfrage
Die Auswirkungen des Wildtier-Tourismus lassen sich also nicht pauschalisieren. Es gibt durchaus Angebote, bei dem Tourist*innen mit ihren Eintrittsgeldern in Rehabilitationszentren oder Nationalparks etwas Gutes für den Erhalt der Tierwelt bewirken können. Und es gibt jenen, den es, so reizvoll es auch sein mag, lieber zu meiden gilt. Doch gibt es wirklich nur schwarz und weiß? Nein, natürlich finden sich auch viele Nuancen dazwischen. So gibt es zum Beispiel Projekte, die Tiere in Gefangenschaft halten, weil diese nach einer Verletzung und einem langen Genesungsprozess stark an den Menschen gewöhnt sind und daher nicht mehr ausgewildert werden können. Diese Tiere können dann gezielt als Botschafter ihrer Art eingesetzt werden, um über ihre Bedrohung in freier Wildbahn aufzuklären. Häufig werden mit den Eintrittsgeldern solcher Projekte auch wichtige Maßnahmen zum Schutz wildlebender Populationen finanziert. Wird jedoch gestattet, die Tiere zu streicheln, in nächster Nähe Fotos mit ihnen zu machen oder gar auf ihnen zu reiten bzw. sie auf den Arm zu nehmen, hat das nichts mehr mit artgerechter Haltung oder einem Wildtier-Tourismus zu Schutzzwecken zu tun. In diesen Fällen steht meist der finanzielle Vorteil der Veranstalter und der Erlebnishunger von Tourist*innen im Vordergrund. Für das jeweilige Wildtier selbst bedeutet es oft unbemerkt Stress, Qual und Angst.

Zum
Mitnehmen
Generell lohnt es sich beim Wildtier-Tourismus genau hinzusehen. Jeder kann durch gezielte Recherche vorab und Hinterfragen der Gegebenheiten vor Ort einen Wildtier-Tourismus unterstützen, der Tieren nutzt, statt schadet. Fragen, die man sich in dem Zusammenhang stellen kann, sind: Wird das Tier in seinem natürlichen Verhalten eingeschränkt, also darf ich mit ihm posieren oder es streicheln? Sehe ich das Tier in seinem natürlichen Lebensraum? Wem kommen die Einkünfte zugute? Natürlich sind nicht alle Antworten für uns Besucher*innen ersichtlich, aber die Fragen unterstützen uns dabei, den Fokus immer zuerst auf die Bedürfnisse der Tiere zu richten.
Außerdem kann es helfen zu recherchieren, ob sich ein Nationalpark oder ein Projekt innerhalb eines Verbandes organisiert und wenn ja, wofür der Verband steht. Ein Beispiel für den Kontinent Afrika ist das African Parks Network, das sich neben dem Schutz der Landschaft und Tiere, insbesondere der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung verschrieben hat.[6]
Sollte eine Erfahrung trotzdem einmal nicht so gut sein, besteht die Möglichkeit, dies der empfehlenden Stelle (dem Tourenanbieter oder Hotel) oder sogar dem entsprechenden Ministerium für Tourismus im jeweiligen Land zu melden. So kann jeder, der möchte, einen Teil zum Artenschutz beitragen.[7]
Außerdem kann es helfen zu recherchieren, ob sich ein Nationalpark oder ein Projekt innerhalb eines Verbandes organisiert und wenn ja, wofür der Verband steht. Ein Beispiel für den Kontinent Afrika ist das African Parks Network, das sich neben dem Schutz der Landschaft und Tiere, insbesondere der Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung verschrieben hat.[6]
Sollte eine Erfahrung trotzdem einmal nicht so gut sein, besteht die Möglichkeit, dies der empfehlenden Stelle (dem Tourenanbieter oder Hotel) oder sogar dem entsprechenden Ministerium für Tourismus im jeweiligen Land zu melden. So kann jeder, der möchte, einen Teil zum Artenschutz beitragen.[7]

Quellen und weitere Informationen
[4] https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/wildtiere/grosskatzen/grausame-loewenindustrie
[5] https://www.prowildlife.de/blog/tigertempel-in-thailand-eroeffnet-nun-als-zoo/
[6] https://www.africanparks.org/about-us/our-story
[7] Podcast Planet A: https://www.audible.de/pd?asin=B08BTZL4V6&source_code=ASSORAP0511160006
[5] https://www.prowildlife.de/blog/tigertempel-in-thailand-eroeffnet-nun-als-zoo/
[6] https://www.africanparks.org/about-us/our-story
[7] Podcast Planet A: https://www.audible.de/pd?asin=B08BTZL4V6&source_code=ASSORAP0511160006


Julia Dibiasi und Miriam Elsässer
aus dem Nepada Wildlife-Team
geben hier Impulse zu Nachhaltigkeit im Alltag
Unsere „Artenschutz to go”-Beiträge erheben keinen Anspruch
auf Vollständigkeit, sondern geben lediglich Impulse für einen
bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit unserem Planeten. Gemeinsam
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