Palmöl – Die verborgene Zutat

Palmölfrucht
Etwa in jedem zweiten Supermarktprodukt ist Palmöl oder Palmkernöl enthalten. Ein bekanntes Paradebeispiel dafür ist der allseits beliebte Brotaufstrich Nutella. Palmöl ist aber auch in zahlreichen anderen Produkten wie Fertiggerichten, Eiscreme, Schokolade, Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika und insbesondere Biosprit zu finden. Die weltweite Nachfrage steigt. Doch die unscheinbare Zutat, die all diese Produkte so geschmeidig macht, hat eine verheerende Auswirkung auf das Klima und die Artenvielfalt.

Food
for Thought

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch und Palmkernöl aus den Kernen der Ölpalmfrucht gewonnen. Kalt gepresst und unbehandelt gilt Palmöl als gesund, da es u.a. sehr viel Vitamin E und etwa 15-mal so viel Vitamin A wie Karotten enthält. Zudem ist es reich an ungesättigten Fettsäuren. Palmöl ist relativ geschmacksneutral und verleiht Lebensmitteln eine streichfeste, cremige Konsistenz. Bei Zimmertemperatur ist das Fett fest, bei Körpertemperatur schmilzt es wie die Schokolade auf der Zunge.

Dagegen enthält industriell hergestelltes (raffiniertes) Palmöl, so wie es massenhaft in der Nahrungsmittelindustrie verwendet wird, einen hohen Anteil an Transfettsäuren. Bei übermäßigem Verzehr erhöhen diese das Risiko einer Diabeteserkrankung oder eines Herzinfarktes und es enthält Stoffe, die unter dem Verdacht stehen krebserregend zu sein.[1]

Trotzdem ist Palmöl wirtschaftlich besonders beliebt, da es effizient zu produzieren und somit sehr günstig ist. Eine Ölpalme ist pflegeleicht, trägt ganzjährig Früchte und ist bis zu sechsmal ertragreicher als der ebenfalls günstige Raps. Somit ist die Produktion von Palmöl an sich nicht als schlecht abzustempeln. Denn die Herstellung der gleichen Menge an Raps- oder Kokosöl würde einen deutlich höheren Flächenverbrauch bedeuten. Zudem steht die Palmölproduktion für einen Großteil der Arbeitsplätze in den jeweiligen Schwellen- und Entwicklungsländern und ist insbesondere für Millionen von Kleinbauern-Familien eine wichtige Einkommensquelle. Das eigentliche Problem ist leider wie so oft, der überwiegende Anbau in riesigen Monokulturen in den artenreichsten Regionen unserer Erde. Vor allem Indonesien und Malaysia, aber auch Afrika und Zentralamerika sind davon betroffen. Immer mehr Regenwald wird gerodet und Feuchtgebiete trockengelegt und durch lebensfeindliche Plantagen ersetzt. Durch die Verwendung von giftigen Pflanzenschutzmitteln  werden Grundwasser und Flüsse verseucht. Der Lebensraum tausender Tierarten wird zerstört und sogar die Streifgebiete des Nebelparders werden unnatürlich zerschnitten. Die Auswertung von GPS-Daten zeigt, dass die Raubkatze selbst die Durchquerung der Monokulturen meidet.

Obwohl Brandrodungen offiziell verboten sind, setzen zudem viele Palmölfirmen, Plantagenbesitzer und Bauern regelmäßig darauf, die bis zu 130 Millionen Jahre alten Wälder und ihre tierischen Bewohner durch gezieltes Feuerlegen niederzubrennen, um neue Anbauflächen zu schaffen. Im Jahr 2019 wurden mithilfe von Satellitenbildern rund 14.000 Brände alleine auf Borneo gezählt. Der Grund ist klar: Nach Berechnungen des CIFOR kostet Landrodung ohne Feuer rund 300 US-Dollar pro Hektar, während der Preis für eine Brandrodung lediglich bei 20 US-Dollar pro Hektar liegt.[2]
Plantage und Wald Borneo
Der Großteil von Borneos Regenwald ist abgeholzt und Palmöl-Plantagen dominieren die Insel.
Nebelparder
Der Sunda-Nebelparder. © Charles Ryan
Rodung
Rodung für eine Palmölplantage in Südostasien

Die
Preisfrage

Für jede neue Plantage wird immer mehr Regenwald zerstört und der wilde grüne Lebensraum zahlreicher Tierarten verschwindet. Oft entstehen durch die ohnehin gewaltigen Brandrodungen unkontrollierbare Waldbrände, die alles Leben auslöschen. Insbesondere für die vom Aussterben bedrohten Tierarten wie den Orang-Utan, den Nebelparder oder den Borneo-Zwergelefant ist dies spürbar. Für diesen hohen Preis zu Lasten der Umwelt erhalten wir Lebensmittel mit billigem Palmöl in unseren Supermärkten. Dazu kommt, dass über 50% des in die EU importierten Palmöls in die Produktion von Biodiesel fließen, was vielen gar nicht bekannt ist.
Orang-Utan

Zum
Mitnehmen

Palmöl ist aufgrund seiner hohen Wirtschaftlichkeit eine beliebte Zutat, die uns Verbrauchern jedoch oft verborgen bleibt. Insbesondere bei Kosmetik oder Reinigungsmittel geben die Hersteller meist nicht an, aus welchen Rohstoffen die verwendeten Tenside und Emulgatoren gewonnen werden. Hinter zahlreichen Inhaltsstoffen wie Glycerin oder Sodium Lauryl Sulfat kann sich Palmöl verbergen. Bei Lebensmitteln ist es deutlich einfacher Palmöl zu erkennen. Denn seit 2014 muss aufgrund der Lebensmittelinformations-Verordnung der EU im Zutatenverzeichnis eines jeden Produkts Palmöl als solches gekennzeichnet sein. Viele Produkte werben aber auch gerade damit palmölfrei zu sein oder kennzeichnen den nachhaltigen oder kontrolliert biologischen Anbau.

Ganz auf den Anbau von Palmöl zu verzichten ist aufgrund der hohen Nachfrage sicherlich kaum möglich und wegen des relativ geringen Flächenverbrauchs gegenüber Kokos- oder Rapsplantagen auch nicht zielführend. Trotzdem sollten wir insgesamt, auch im Hinblick auf unsere Gesundheit , weniger Palmöl konsumieren. Wichtig ist es zudem, den nachhaltigen Anbau von zertifiziertem Biopalmöl zu fördern und beim Kauf auf eine entsprechende Kennzeichnung zu achten. Denn bei der Gewinnung von Biopalmöl wird u.a. auf besonders schützenswerten Waldgebiete geachtet, der Einsatz synthetischer Pestizide und Dünger vermieden und die Einhaltung von Menschen- und Arbeiterrechten kontrolliert.

Ein Blick auf Zutatenliste und Kennzeichnungen lohnt sich in jedem Fall. Natürlich ist das erst mal etwas Aufwand, aber das Vergleichen und Ausprobieren anderer Produkte kann auch Spaß machen und vielleicht wird eure Neugier geweckt zu entdecken, was denn sonst noch in eurem Einkauf steckt.
Svenja-Christina Michel
Svenja-Christina Michel

aus dem Nepada Wildlife Team

gibt hier Impulse zu Artenschutz im Alltag

Unsere „Artenschutz to go”-Beiträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern geben lediglich Impulse für einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit unserem Planeten. Gemeinsam können wir vieles besser, aber auch nicht sofort alles richtig machen. Möchtet ihr weitere Informationen zu diesem Thema mit uns teilen? Oder habt ihr kritische Anmerkungen? Dann schreibt uns gerne in den Kommentaren.

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