Bio-Labels und Siegel

Artenschutz im Label-Dschungel

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Bio, Bioland, Biopark, Naturland, Demeter, MSC, V-Label, Rainforest Alliance, Fairglobe… Wie viele Labels findet ihr auf den Artikeln in eurem Kühl- und Vorratsschrank? Und stellt ihr euch dabei auch die Frage: Woher kommt der Label-Dschungel überhaupt?

Food
for Thought

Hierzu eine kurze Erklärung:  Als gesetzlich geschütztes Siegel in der Lebensmittelindustrie lässt sich nur das „EU-Bio-Siegel“ aufführen. Jedem Unternehmen und jeder Organisation ist es erlaubt, eigene Labels zu erstellen und auch deren Kontrollmechanismen selbst festzulegen. Dadurch entsteht eine teilweise unüberschaubar scheinende Masse an Labels und Siegeln, die einschüchternd wirken kann. Einen Überblick über die verschiedenen Siegel, Labels und Gütesiegel, ihre Anforderungen und Kontrollen, sowie eine Bewertung, hat die Verbraucherinitiative kostenlos für alle zusammengestellt: https://label-online.de/meine-labels/
Verwirrend oder nicht, Labels sind ein wichtiges Thema, weil das Interesse an tiergerechter Haltung, Umweltfreundlichkeit, dem Verzicht von Gentechnik, Saisonalität und Regionalität in den letzten Jahren stetig zunimmt.

Wir bei Nepada Wildlife setzen uns vor allem für den internationalen Artenschutz ein, weswegen dieser Artikel ein besonderes Augenmerk auf die Auswirkungen von Labels auf den Artenschutz legt und die Frage beantworten möchte: Helfen Labels dabei, bedrohte Arten und ihre Lebensräume zu schützen? Diese Frage lässt sich mit einem klaren Jein beantworten.

Die Begründung hierzu liegt in den verschiedenen Anforderungen und Kontrollmechanismen der Siegel. Grundsätzlich gilt, was wir mittlerweile alle kennen: Wer saisonal, regional und fair gehandelt konsumiert und dabei noch darauf achten kann, wiederverwendbare/recycelte Materialien zu verwenden, tut der Umwelt und damit auch dem Regenwald und den dort lebenden Arten einen riesigen Gefallen.
Fisch MSC Siegel
Das MSC-Siegel wird unter anderem für zu niedrige Standards kritisiert. ©Karl Muscat/unsplash
Nachhaltige Holzproduktion FSC
Das in Deutschland gewonnene PEFC- und FSC®-zertifizierte Holz entspricht hohen und gut kontrollierten Standards. Für Holz aus tropischen und subtropischen Regionen ist das nicht so einfach zu sagen. ©Hannah Busing/unsplash

Die
Preisfrage

Doch bekomme ich wirklich, was mir die Labels auf den Verpackungen versprechen? Das ist tatsächlich oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, aber eine große Hilfe können hier ein Label-Scanner und unsere Artenschutz to Go-Beiträge sein.
In unserem Blogbeitrag „Palmöl – Die verborgene Zutat“ könnt ihr zum Beispiel nachlesen, warum ihr Palmöl gewissenhaft nutzen solltet und worauf man beim Kauf achten kann, wenn der Verzicht mal keine Option darstellt.

Auch eine pflanzenbasierte Ernährung und damit das V-Label können den Erhalt wichtiger Ökosysteme unterstützen, da für das oft genutzte Futtersoja unserer Nutztiere große Gebiete des Regenwaldes gerodet werden.
Die ökologische Landwirtschaft, die hinter den EU-Bio-Siegeln steht, arbeitet nach dem Prinzip eines Kreislaufs und verzichtet daher, wenn möglich, auf den Import von Soja und nutzt fast ausschließlich Futtermittel ökologischen Ursprungs. Wichtige Standards der ökologischen Landwirtschaft müssen eingehalten werden, damit Lebensmittelproduzent*innen ihre Produkte mit dem EU-Öko-Siegel ausstatten dürfen. Dazu gehören zum Beispiel eine reglementierte Antibiotikanutzung, Verzicht auf Gentechnik, Einschränkungen zur Nutzung von Düngemitteln sowie besondere Anforderungen an Platz- und Beschäftigungsangebot für Tiere und deren Schlachtung.

Werfen wir doch noch einen Blick auf das Ökosystem Meer und ein damit assoziiertes Label: Das MSC- Siegel. Es steht zwar für Nachhaltigkeit im Bereich der Fischerei, wird gleichzeitig aber von Wissenschaftler*innen, Organisationen und auch vom WWF für zu niedrige Standards kritisiert, weil MSC-zertifizierte Fischereien in bereits überfischten Gebieten jagen und hohe Beifangraten vermelden. Außerdem finanziert sich das MSC-Siegel darüber, dass Fischereien Zertifizierungsgebühren zahlen müssen, was die Frage aufwerfen kann, ob es mehr um die Unterstützung des eigenen Kapitals oder echten Umweltschutzes geht. Eine gute Alternative gibt es bislang nicht, denn bei anderen weitverbreiteten Labels, wie dem „dolphin safe“-Siegel, fehlen schlichtweg die Kontrollen oder die Anforderungen sind zu niedrig, um der Überfischung und Meereszerstörung tatsächlich nachhaltig entgegen zu wirken.

Wenn wir über den Artenschutz reden, kommen wir auch am Thema Holz nicht vorbei – ein wichtiger, nachwachsender Rohstoff, der für den Erhalt und Schutz des Regenwaldes eine Schlüsselrolle spielt. Das in Deutschland gewonnene PEFC- und FSC®-zertifizierte Holz entspricht hohen und gut kontrollierten Standards, die transparent nachvollziehbar sind. Bei aus den Tropen und Subtropen gewonnenem FSC®-zertifiziertem Holz sind sich Kritiker*innen nicht einig, da die Anforderungen den örtlich geltenden politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten oft angepasst werden – auf Kosten des Umweltschutzes. Daher gilt auch hier: am liebsten regional.
Gemüse im Biomarkt Biolabel
Mit dem Kauf von saisonalen und regionalen Produkten unterstützt ihr auch den Artenschutz. ©Scott Warman, unsplash

Zum
Mitnehmen

Wir alle haben es in der Hand, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Vielleicht habt ihr Lust euch zu fragen: Wie viel Konsum ist wirklich nötig? Für welche Standards steht das Siegel auf meinem Produkt und wie werden die Anforderungen kontrolliert? Finde ich ggf. gute, vielleicht sogar regionale Alternativen?

Eine Expedition durch den Label-Dschungel im eigenen Schrank kann sehr spannend sein! Und lasst euch dabei nicht frustrieren. Alles richtig zu machen, das kann nicht der Anspruch sein. Wenn jeder tut, was er kann, sind wir auf dem richtigen Weg. Und vielleicht hat der oder die eine oder andere unter euch ja auch Lust, beheimatetes Gemüse selbst anzupflanzen.
Team Jacky Söhnchen
Jacqueline Söhnchen

passionierte Tiermedizinerin aus dem Nepada Wildlife Kommunikationsteam

gibt hier Impulse zu Artenschutz im Alltag
Unsere „Artenschutz to go”-Beiträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern geben lediglich Impulse für einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit unserem Planeten. Gemeinsam können wir vieles besser, aber auch nicht sofort alles richtig machen. Möchtet ihr weitere Informationen zu diesem Thema mit uns teilen? Oder habt ihr kritische Anmerkungen? Dann schreibt uns gerne in den Kommentaren.

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