Soja - Polina Tankilevitch on Pexels

Artenschutz to go: Soja – besser als sein Ruf?

„Das interessiert mich nicht die Bohne“ lautet eine Redewendung. Doch gerade für den Erhalt der Artenvielfalt kann eine kleine Bohne oft große Auswirkungen haben. Spricht man zum Beispiel über Soja, denken viele an genveränderte Monokulturen und gerodete Regenwälder in Südamerika. Und das entspricht leider größtenteils der Realität. Vor allem in Brasilien muss der Regenwald für die Produktion von Soja weichen. Das Land hat seine Anbauflächen für Sojapflanzen seit 2000 um 160% gesteigert. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass sie in der Rangliste der weltweit größten Sojaproduzenten an der Spitze stehen. Doch was ist dran am schlechten Ruf der Sojabohne?

Soja Pflanze
Soja-Pflanze © Kelly Sikkema on Unsplash

Food for thought – Unsere Info-Häppchen: 

Die Sojabohne zeichnet sich durch einen sehr hohen Eiweißgehalt aus und ist eine super Proteinquelle. Außerdem enthält sie viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, sodass sie sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken kann.

Auch das Gerücht, dass Soja unfruchtbar macht bzw. Brustkrebs fördert kursiert schon seit längerer Zeit in den sozialen Medien. Grund hierfür sind Isoflavone. Sie gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen der Sojabohne und sind strukturell dem Östrogen sehr ähnlich. Die Bindung an Östrogenrezeptoren im Körper wurden in Versuchen an Zellkulturen von Schweinen nachgewiesen. Mehrere Studien* zeigen jedoch, dass der Konsum von Sojaprodukten in adäquaten Mengen keinerlei negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Tatsächlich gibt es bereits Nachweise dafür, dass ein moderater Konsum von naturbelassenen Sojaprodukten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senkt. Unter naturbelassenen Produkten versteht man zum Beispiel Tofu und Tempeh. Uns sollte also bewusst sein, dass ein hochverarbeitetes Produkt wie zum Beispiel ein Burgerpatty auf Sojabasis nicht per se gesund ist. Die Ökobilanz spricht jedoch ganz klar für solche Fleischalternativen.

Entgegen vieler Vermutung landet nur ein Bruchteil direkt auf dem Teller der Menschen. Nur 2% der weltweiten Sojaernte wird vom Menschen in Form von Sojaprodukten wie Tofu oder Sojamilch gegessen. 18% landen als Sojaöl in Convenience-Produkten, in Biotreibstoffen oder Kosmetikprodukten. Der Löwenanteil von 80% wird an unsere Nutztiere verfüttert und dient so der Fleisch-, Milch- und Eierproduktion. Für die großflächige Abholzung der Regenwälder ist also nicht der zunehmende Trend zur vegetarischen oder veganen Ernährung verantwortlich, sondern die großen Mengen an Futtermittel, die für unsere Nutztiere und die Fleischproduktion benötigt werden.

Der junge Tenharim-Krieger Madarejúwa. ©Thomas Fischermann

Die Preisfrage: 

Den Amazonas-Regenwald und seine Bewohner setzt besonders der enorme Flächenbedarf des Soja-Anbaus zu. Streichen oder reduzieren wir tierische Produkte auf unserem Speiseplan, können wir weiteren Rodungen entgegenwirken. Vor allem vegetarisch und vegan lebende Menschen greifen gerne auf Sojaprodukte wie Tofu oder Sojamilch als Ersatz zurück. Ist dies jedoch wirklich die bessere Variante? Generell kann man sagen, dass pflanzliche Alternativen gegenüber den tierischen Produkten eine deutlich bessere Ökobilanz aufweisen. Zu diesem Schluss kam man nach einer groß angelegten Studie des Bundesumweltamtes. Demnach werden für ein Kilo pflanzenbasierten Fleischersatz 2,8 kg Treibhausgase ausgestoßen. Für Schweine liegt der Wert bei 4,1 kg und bei Rindern sogar bei 30,5 kg Treibhausgasen pro produziertes Kilo Fleisch. Auch der Verbrauch von Süßwasser und nutzbarer Landfläche ist unverhältnismäßig hoch bei der konventionellen Viehhaltung.

Zum Mitnehmen: 

Tempeh, Sojamilch und veganes Hackfleisch tragen nicht die Schuld für die verheerenden Brandrodungen in Südamerika. Generell sollte man aber auch beim Kauf von Sojaprodukten versuchen auf Regionalität zu achten und die Zutatenliste studieren, denn nicht jedes Sojaprodukt ist gesund. Vor allem bei Convenience-Produkten wird daher zu einem gemäßigten Konsum geraten. Tatsächlich gibt es auch regionale Alternativen in Europa. In warmen Gebieten, wie der Donau-Region, wird bereits Soja angebaut. Die Mengen von europäischem Soja sind jedoch verhältnismäßig noch sehr gering, nehmen jedoch in den letzten Jahren stetig zu. Sojaprodukte, die von deutschen, österreichischen oder schweizerischen Unternehmen produziert werden, enthalten bereits heute mindestens 90% Soja aus europäischem Anbau. Die restlichen 10% stammen aus anderen Anbaugebieten wie zum Beispiel Nordamerika.

Weiterer Vorteile der europäischen Eigenproduktion sind, neben den deutlich verkürzten Lieferwegen, die verhältnismäßig hohen Auflagen beim Anbau. Die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards ist verpflichtend und wird regelmäßig überprüft. Zudem dürfen keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden. Ein guter Grund, warum „die Bohne“ einen eben doch interessieren sollte.

Unsere “Artenschutz to go”-Beiträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern geben lediglich Impulse für einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit unserem Planeten. Gemeinsam können wir vieles besser, aber auch nicht sofort alles richtig machen. Möchtet ihr weitere Informationen zu diesem Thema mit uns teilen? Oder habt ihr kritische Anmerkungen? Dann schreibt uns gerne in den Kommentaren. 

Autorin: Saskia Becker aus dem Nepada Wildlife-Team

Natascha Kreye
natascha.kreye@nepadawild.life
2 Comments
  • Dr G
    Posted at 21:06h, 30 Mai Antworten

    Guter Beitrag!

    • Nepada Wildlife
      Posted at 13:00h, 31 Mai Antworten

      Vielen Dank für das schöne Feedback!

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