Ananas

Artenschutz to go: Eine Ananas zum Fest?

Eine Tropenfrucht im Weihnachts-Outfit: Vor wenigen Jahren war der Ananas-Weihnachtsbaum ein Internet-Trend – nicht nur für Menschen, die in tropischen Gefilden die Festtage verbringen. In der Adventszeit ist die beliebte Südfrucht auch in Deutschlands Supermärkten stark vertreten. Kein Wunder, gilt sie doch als süßes Superfood. Seit Hannahs Aufenthalt in Costa Rica hat die Frucht jedoch einen bitteren Beigeschmack bekommen. Mit eigenen Augen und im Gespräch mit Einheimischen konnte sie die Auswirkungen des konventionellen Anbaus auf Mensch und Natur verfolgen (-> Blogbeitrag). Können wir also noch zugreifen beim tropischen Gold und was sollten wir beachten?

Ananas für 1,99€? Was ist der wahre Preis für die Luxusfrucht?
Jede Ananas-Pflanze trägt nur eine Frucht. Sie werden in riesigen Monokulturen angebaut.

Food for thought – Unsere Info-Häppchen: 

Dreiviertel aller Ananas, die wir in unseren europäischen Supermärkten kaufen, kommen mittlerweile aus Costa Rica. Marktführer sind hier Dole und Del Monte. Die Ananas ist generell sehr gesund. Das exotische Obst enthält wenig Kalorien, dafür Vitamin C und Mineralstoffe. Darüber hinaus bringt die Frucht noch Wirkstoffe mit, die sich positiv auf den Stoffwechsel, die Psyche und die Gesundheit auswirken. So fördert die Tropenfrucht zum Beispiel die Verdauung und regt das Immunsystem an.

Jede Ananas-Pflanze trägt nur eine Frucht. Sie werden in riesigen Monokulturen angebaut und brauchen deshalb eine enorme Menge an Chemikalien und Pestiziden, um überhaupt wachsen zu können. Denn das Bromeliengewächs ist extrem anfällig für Schädlinge und Pflanzenkrankheiten.

Fünfzehn chemische Behandlungen sind nötig, viele davon mehrmals, um die Pflanze ertragreich anzubauen. Laut Studien der Nationaluniversität* ist Costa Rica das Land mit dem weltweit höchsten Pestizideinsatz.

Die genutzten Chemikalien sind äußerst gefährlich für die Natur sowie für die Gesundheit der Menschen sind, die meisten davon sind in der EU überhaupt nicht erlaubt. Anwohner erhalten inzwischen ihr Trinkwasser aus Tanks, da das Grundwasser kontaminiert ist.

Die Preisfrage: 

Die Folgen des konventionellen Ananas-Anbaus sind massive Umweltschäden, Chemikalienvergiftung und Armutslöhne. Um genügend Anbaufläche zu erhalten, wurden Zehntausende Hektar Regenwald abgeholzt. Angrenzende Flüsse sind verseucht und es leben nur noch wenige Fische in den Gewässern. Auch der Boden wird durch die Behandlung quasi sterilisiert. Die biologische Vielfalt schwindet. Diese Auswirkungen sind für das Faultier oder die Totenkopfäffchen ebenso spürbar wie für zahlreiche Insekten, die ein wichtiger Teil des komplexen Ökosystems sind. Gleichzeitig gibt es die Ananas im deutschen Supermarkt schon zum Aktionspreis von nur 1,99 Euro.

Zum Mitnehmen: 

Die bessere Alternative wäre eine Landwirtschaft, in der nicht in Monokulturen angebaut wird. Bei der es Fruchtwechsel auf den Feldern gibt, die die Böden fruchtbar halten und anderen Lebewesen ebenso Nahrung bietet. Eine Landwirtschaft, die nicht zuletzt faire Arbeitsbedingungen und Löhne für ihre Fachkräfte zusagt. Die Herausforderung: In Deutschland bekommt man so eine Fairtrade-Bio-Ananas, nur vereinzelt in Bio- und Weltläden oder aber in Obst-Abokisten. Ein erster Schritt für uns als Verbraucher könnte daher sein, die Ananas als das zu behandeln, was sie ist: Eine Luxusfrucht. Und die kann ruhig etwas Besonderes sein. Vielleicht diesmal nur für die Festtage?

Übrigens: Kinder können selbst Ananas-Pflanzen aus dem Blattschopf ziehen und so spielerisch lernen wie viele Schritte vom Feld bis zum Supermarkt nötig sind. Geolino bietet hierzu eine tolle Anleitung.

Unsere “Artenschutz to go”-Beiträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern geben lediglich Impulse für einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit unserem Planeten. Gemeinsam können wir vieles besser, aber auch nicht sofort alles richtig machen. Möchtet ihr weitere Informationen zu diesem Thema mit uns teilen? Oder habt ihr kritische Anmerkungen? Dann schreibt uns gerne in den Kommentaren. 

Nepada Wildlife
jannes.vahl@polycore-agentur.de
8 Comments
  • Anne
    Posted at 17:15h, 22 Dezember Antworten

    Mega spannend! Vieles davon war mit vorher gar nicht bewusst. Bin schon sehr gespannt auf die nächsten Beiträge zu „Artenschutz to Go“ 🌴🐒

    • Nepada Wildlife
      Posted at 15:38h, 24 Dezember Antworten

      Das freut uns! Dann war für dich ja schon was „zum Mitnehmen“ dabei. Hab schöne Feiertage – mit oder ohne Ananas! 😉

  • Susanne
    Posted at 19:16h, 22 Dezember Antworten

    Und was ist mit Früchten mit dem Zertifikat Rainforest Alliance? Die gibt es auch bei REWE 🤔

    • Nepada Wildlife
      Posted at 15:40h, 24 Dezember Antworten

      Guter Punkt. Das Siegel mit dem grünen Frosch kennzeichnet nach eigener Aussage Produkte, deren Herstellung die drei Säulen der Nachhaltigkeit stützen – sozial, wirtschaftlich und ökologisch. Das klingt erst mal gut und eine Ananas mit diesem Label ist schon mal besser als eine ohne entsprechende Kennzeichnungen. Allerdings gibt es auch Kritik an der Rainforest Alliance. Stiftung Warentest beispielsweise stellte fest, dass das Label nur eine mittlere Aussagekraft hat. Andere Bio- oder Fairtrade-Siegel stellen höhere Anforderungen an die Produzenten. Für das kommende Jahr hat die Rainforest Alliance eine Verschärfung der Kriterien angekündigt. Mal sehen, was die Testergebnisse dann sagen. Für den Verbraucher sollte die Welt der Nachhaltigkeits-Label auf jeden Fall noch wesentlich transparenter werden.

  • Nicola Jaeger
    Posted at 15:22h, 29 Dezember Antworten

    Vielen Dank für diesen informativen Überblick, der dazu anregt, sich das eigene Konsumverhalten wieder einmal bewusst vor Augen zu führen und auf der Grundlage andere Kaufentscheidungen zu treffen. Wir freuen uns schon auf viele weitere Beiträge in dieser Rubrik, die wir gerne teilen und weiterverbreiten.
    In diesem Sinne: Einen guten Rutsch und viel Freude bei der weiteren Arbeit und darüber hinaus!

    • Nepada Wildlife
      Posted at 20:40h, 30 Dezember Antworten

      Liebe Nicola, danke für dieses großartige Feedback. Hast du bestimmte Themenwünsche für die Rubrik? Wir wünschen dir ebenfalls einen guten Rutsch und ein gesundes 2021!

  • Kirsten Gallwitz
    Posted at 14:13h, 10 Januar Antworten

    Super hilfreicher Beitrag! Mir gefällt der praktische und zeitlich aktuelle Bezug zum Arten-/Umweltschutz.
    Ich werde den Artikel teilen und mein Kaufverhalten definitiv ändern!
    Freue mich total auf weitere Beiträge dieser Rubrik 🙂

    • Nepada Wildlife
      Posted at 20:51h, 10 Januar Antworten

      Das freut uns, vielen Dank für dein tolles Feedback! Wir arbeiten bereits an den nächsten Beiträgen und nehmen auch gerne noch Themenwünsche entgegen. Liebe Grüße!

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