Vom Regenwald ins Klassenzimmer

Innerhalb von 24 Stunden musste ich den Dschungel von Borneo und damit auch unser aktuelles Nebelparder-Projekt verlassen und mit dem letzten Flieger nach Deutschland zurückkehren. Covid-19 hatte auch die Regenwälder Malaysias erreicht und versetzte das Land in einen Lockdown. Zum Glück konnte ich für Nepada Wildlife, trotz meiner abrupten Abreise, eine finanzielle Hilfe auf der Urwaldinsel zurückzulassen: 2.500 Euro konnten wir Dank Eurer Unterstützung an das Bornean Carnivore Programme für den Schutz der Nebelparder in Sabah, Borneo spenden, und auch der kleine Baby Gibbon ist – dank der vielen Spenden aus Deutschland – weiterhin gut versorgt.

Doch wie geht es nun weiter? Die Ausgangssperren in Malaysia wurden bereits etwas gelockert und die Einheimischen dürfen wieder vor die Tür gehen. Ausländern bleibt die Einreise weiterhin verwehrt. Internationale Forschungsprojekte liegen auf Eis. Der Artenschutz steht vor einer großen Herausforderung. Der Ökotourismus kam völlig zum Erliegen und den Nationalparks und Schutzprojekten fehlen die Einnahmen. Auch unsere, für den kommenden Herbst geplante Expedition in den Amazonas-Regenwald zu den Tenharim-Indianern, haben wir absagen müssen. Gerade für die indigenen Stämme, die kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben, stellt diese Pandemie eine massive Bedrohung dar.

Wir nutzen den Lockdown dazu, unser Bildungsteam weiter auszubauen und unseren Bildungsauftrag in Deutschland zu stärken. © Julia Schwendner

Neben unseren konkreten Aktivitäten im Artenschutz ist Umweltbildung ein wichtiger Satzungszweck von Nepada Wildlife. Mit Workshops an zahlreichen Schulen, Vorträgen auf Bildungswochen wie der Wetter.Wasser.Waterkant. oder der Hamburger Klimawoche und Vorträgen auf Abendveranstaltungen bringen wir den Regenwald nach Deutschland. Schließlich hat nicht jeder die Chance, drei Monate mit wilden Tieren im Dschungel zu leben.

Dazu fällt mir ein besonders schöner Nachmittag Anfang 2019 an einer Hamburger Grundschule ein: Ich sitze auf dem ockerfarbenen Fußboden, um mich herum zwanzig Kinder, die mich aus großen Augen gebannt anschauen. Gerade erzähle ich ihnen von meiner ersten persönlichen Begegnung mit einem vier Meter langen Krokodil in der Wildnis. Die Spannung bei den Kindern ist spürbar. Ein Mädchen, um die zehn Jahre, hält erschrocken ihr Gesicht in den Händen. Ihre Sitznachbarin starrt mit offenem Mund auf das prähistorische Raubtier auf dem Foto: ein gewaltiges Leistenkrokodil, das sich gerade aus dem Wasser schiebt. Seine spitzen Zahnreihen blitzen. Das Foto habe ich drei Jahre zuvor während meines Forschungsaufenthaltes auf Borneo gemacht. Es ist ein Nachmittag voller Abenteuer, Artenschutz und Tiere-Raten. Es geht um die Probleme der Regenwaldabholzung und unser eigenes Konsumverhalten. Wir sprechen über die Verschmutzung der Meere und die Bedrohung von Tier und Mensch und es erfüllt mich mit Hoffnung, zu spüren mit welcher Hingabe sich die Kinder auch für diese Themen interessieren. In solchen Augenblicken spüre ich, dass wir mit Nepada auf den richtigen Weg sind.

© Julia Schwendner
© Julia Schwendner

Parallel zu den bewährten Bildungsangeboten von Nepada entwickeln wir uns weiter. Wir haben den Lockdown genutzt, um unser Team zu erweitern und unseren Bildungsauftrag in Deutschland auszubauen: Im September läuft unser entwicklungspolitisches Bildungsprojekt »Vom Regenwald ins Klassenzimmer – Groß denken, lokal handeln, global wirken.« an. Um Schüler*innen und Lehrkräfte in Zeiten von Corona auch zu Hause zu erreichen, entwickeln wir innovative Bildungsmaterialien, um spielerisch über die Bedeutung von Biodiversität aufzuklären. Dabei bauen wir auf digitale Medien und Gamification. Mittels Virtual und Augmented Reality Tools bieten wir Kindern und Jugendlichen einen emotionalen Zugang zur globalen Thematik der Nachhaltigkeit.

Im Zentrum unserer Arbeit stehen die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Wir fördern die Auseinandersetzung mit dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung und ermutigen die Schüler*innen, globale komplexe Zusammenhänge zu erkennen, kritisch zu hinterfragen und zu bewerten. Dafür arbeiten wir eng mit dem gemeinnützigen Verein The Turquoise Change und dem ESD Expert Net zusammen. So ist ein reger Austausch mit Expert*innen des ESD Expert Net aus Indien, Südafrika, Mexiko und Deutschland gewährleistet.

Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) stehen im Zentrum unserer Bildungsarbeit. © Julia Schwendner

Die nächsten Monate werden wir intensiv an der Konzeptionierung und Entwicklung der Augmented Reality Tools für den Unterricht arbeiten und im Januar 2021 werden wir mit der Testphase an Hamburger Schulen beginnen, um anschließend eine Implementierung in den Lehrplan zu ermöglichen. Also falls Du und Deine Klasse Interesse habt, meldet Euch gerne bei uns!

Wir möchten unsere Satzungszwecke §2(c) »öffentliches Vertreten und Verbreiten der Gedanken des Natur- und Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung durch Umweltbildungsmaßnahmen« sowie §2(e) »die Information und Weiterbildung zu den Fragen des Natur- und Artenschutzes in Deutschland, sowie in den Projektländern« weiter stärken, und haben unser Kompetenzteam mit Expert*innen aus den Bereichen Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), Umweltpädagogik und -wissenschaft ergänzt: Willkommen Prof. Dr. Ulrich Gebhard (Didaktik der Biowissenschaften, Uni Hamburg), Katarina Roncevic (BNE-Expertin, The Turquoise Change e.V.) und Eric Peters (Creative Technologist)!

Fotos: Julia Schwendner / thisisjulia.de
Autorin: Hannah Emde / hannahemde.com

Es war ein Workshop voller Abenteuer, Artenschutz, Regenwald und unser eigenes Konsumverhalten. © Julia Schwendner
Hannah
nepadawild@gmail.com
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