Abenteuer Dschungel

Der Himmel ist rabenschwarz, als Jannes und ich mit Jean über das spiegelglatte Wasser gleiten, nur die Lichtkegel unserer Stirnlampen erhellen die Nacht. Es herrscht eine ungewohnte Stille auf dem Wasser, sogar die Zikaden scheinen inne zu halten. Fast schon unheimlich? Und dann entdecke ich einen roten Schimmer am Horizont. Anfangs noch ganz leicht, dann wird er von Sekunde zu Sekunde heller und verteilt sich über Wasser und Wälder – der Morgen bricht an. So friedlich und klar, ein magischer Moment. Mit der Sonne kehren auch die Geräusche zurück. Ein Konzert aus Vögeln, Zikaden und Brüllaffen erklingt, aber trotzdem strahlt der Sonnenaufgang eine herrliche Ruhe aus. Wir bestaunen das Farbenschauspiel aus den unterschiedlichsten gelb, rot und Orangetönen eine Weile und entdecken Tukane, Kolibris und sich in der Sonne räkelnde Leguane in den Bäumen. Jean steuert auf den Wald zu. Heute möchte er Jannes und mir die Igapó-Wälder zeigen. Igapó bezeichnet einen immergrünen tropischen Überschwemmungswald, der in den Auen entlang der nährstoffarmen Schwarzwasserflüsse Amazoniens anzutreffen ist.

Ei roter Schimmer taucht am Horizont auf. Anfangs noch ganz leicht, dann wird er von Sekunde zu Sekunde heller und verteilt sich über Wasser und Wälder - der Morgen bricht an.

Zu Anfang erklärt uns Jean eindringlich, dass wir ausgesprochen vorsichtig sein müssen und unsere Hände bei uns zu halten haben. Viele der Bäume hier haben lange Stacheln, ätzende Rinde oder geben Giftstoffe ab, die allergische Reaktionen hervorrufen. Wir sollen auf unsere Schritte achten, uns vor Schlangen in Acht nehmen und auch die Äste über uns nicht aus den Augen lassen. Von den gemeinen Mikrometer großen Parasiten erfahren ich erst später…am eigenen Leib. Vorsichtig folgen wir Jean in die Tiefen des Waldes. Mit einer Machete schlägt er uns den Weg frei. Er zeigt uns Bäume, deren Saft er für medizinische Zwecke benutzt oder deren Rinde aufgekocht gegen Bauchschmerzen hilft. Es ist noch früh, aber schon jetzt herrscht ein feuchtes, drückendes Klima im Wald. Die Bäume werden immer höher, das Blätterdach dichter und der Waldboden dunkler, je tiefer wir in den Wald eindringen. Sträucher, Büsche und Farn werden weniger, da die riesigen Baumkronen ihnen das Licht nehmen. Es ist Wahnsinn, was für Urwaldriesen hier stehen. 30 Meter ragen sie in den Himmel. Ihre Stämme sind so dick, dass wir sie auch zu dritt nicht umfassen könnten. Nur Tiere entdecke ich wenige.

Viele der Bäume hier haben lange Stacheln, ätzende Rinde oder geben Giftstoffe ab, die allergische Reaktionen hervorrufen.

Ich bin aber auch verwöhnt durch meinen letzten Dschungelaufenthalt im Forschungscamp von Guatemala oder meiner Zeit auf Borneo. Außerdem befinden wir uns hier nicht am Amazonas, sondern an einem sehr nährstoffarmen Schwarzwasserfluss. Und die Regenwälder Amazoniens so groß (im Jahr 2007 dehnten sie sich noch auf einer Fläche von rund 110 Mio. Hektar aus), dass die Wildtiere genügend Rückzugsmöglichkeiten haben und den Menschen nicht häufig über den Weg laufen müssen. Das sah in den fragmentierten Regenwäldern von Borneo schon ganz anders aus. Trotzdem leben in den Wälder hier unzählige Tiere und nach zwei Stunden ruhigen und aufmerksamen durch den Wald schleichen, entdecken wir unsere ersten Affen. Ich bin ganz aus dem Häuschen und versuche, hochmotiviert ein Foto von diesen sonderbaren Tieren, zu ergattern. Das stellt sich in dem dichten, dunklen Wald allerdings viel schwieriger dar, als erwartet. Man merkt, dass die Tiere hier überhaupt nicht an Menschen gewöhnt sind, die Affengruppe stürmt blitzschnell über unsere Köpfe hinweg. Jean erklärt später, dass es sich um einen Bartsaki (Chiropotes) handele, charakteristisch sei der schwarze buschige Schwanz. Jannes und ich sind aufgeregt – unser erstes großes wildes Tier im Igapo-Wald.

Eine Bartsaki Affengruppe stürmt blitzschnell über unsere Köpfe hinweg, charakteristisch ist der schwarze buschige Schwanz.
Hannah
nepadawild@gmail.com
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