Busfahren

Busfahren sollte ich in den nächsten Tagen noch einige Stunden. Eingefaltet in viel zu kleinen Minivans auf holprigen, mit Schlaglöchern übersäten, oft einspurigen Straßen. Stunde um Stunde. Kein Ende in Sicht. Durchgeschüttelt, schwitzend und müde. Aber immer mit netten Sitznachbarn, schlechter Musik und tollen Aussichten.

Nach einem etwas holprigen Ende in Mexiko, bei dem ich händeringend nach einer Reparaturmöglichkeit für meine Kamera suchte und die Hälfte meiner Klamotten bei einer Wäscherei in den Bergen zurückblieb (hey, dafür ist meine Backpack jetzt viel leichter!), mache ich mich auf den Weg nach Guatemala. Ein Land, von dem ich vorher gefühlt noch gar nichts wusste und was die Reise umso spannender macht.

Der Großteil meiner Klamotten blieb leider in einer Mexikanischen Wäscherei zurück.
Die unterschiedlichen Gefährte in Guatemala bieten ein buntes Schauspiel, vom »Chickenbus« bis zum alten Bullie.

Morgens früh verlasse ich schweren Herzens mit Picho und einem Kleinbus voller bunter Menschen das zauberhafte Städtchen San Cristóbal de las Casas. Picho ist ein Tierarzt aus Guatemala, der im nördlichen Regenwald von Guatemala mit hellroten Aras (Ara macao, der größten Papageinart der Welt) arbeitet und dem ich in zwei Wochen in seinem Forschungsprojekt im Dschungel besuchen kommen darf. Wir heizen durch die Berge, fahren an Feldern und Flüssen vorbei und passieren immer wieder kleine mexikanische Dörfer mit spielenden Kindern auf der Straße, kleinen Gruppen aus fachsimpelnden alten Männern und Frauen, die Essen am Straßenrand verkaufen. Kurz vor der Grenze gibt es großes Frühstück für alle. Aufgeregt erklärt der Busfahrer mir genau die Unterschiede zwischen Tacos, Enchiladas, Nachos und Tortillas – mir wird das mexikanische Essen SEHR fehlen!

Alle müssen mit Gepäck ihre Reisebusse verlassen, um zu Fuß die Grenze nach Guatemala zu überqueren.
Ein Berliner Kennzeichen an der Mexikanischen Grenze?

Nach vier Stunden erreichen wir endlich die Grenze zu Guatemala. Wir müssen alle aus dem Bus raus, unser Gepäck aufladen und zu Fuß die Grenze überqueren. Autos dürfen nur mit Sondergenehmigung passieren. Aufregend. Ein cooles Bild, wie überall aus den Bussen die Reisenden aussteigen und bepackt den Torbogen nach Guatemala passieren. Passkontrolle. Geld bezahlen. Einreisestempel. Neue Währung. Neues Land. Neues Abenteuer. Mein erstes guatemaltekisches Eis mit Quetzales, der lokalen Währung, bezahlt. Während wir an der Grenze auf unseren neuen Reisebus warten und ich genüsslich mein Eis schlecke, traue ich meinen Augen nicht: Ein Land Rover mit Berliner Kennzeichnen? Wirklich? An der Grenze zu Guatemala? Das hatte ich nicht erwartet. Und wirklich: Ein braun gebrannter, gut gelaunter Hartmut steigt aus, Mitte/Ende Fünfzig, reist seit letztem Jahr mit seinem Auto durch Amerika. Er hat in den Staaten angefangen und will jetzt bis nach Argentinien runter. Netter Typ.

Nach meinem Eis und über 90 Minuten Wartezeit auf den neuen Bus (jaja, die haben das nicht soo mit der Pünktlichkeit hier), geht es eingefaltet im Bus weiter. Ich bin beeindruckt von den riesigen Bergen, die sich rechts und links von uns auftürmen. Und alles so wunderbar grün. Stunde um Stunde vergeht. Es regnet in Strömen, der Kleinbus holpert unbeirrt weiter, über schlammige Wege oder mit Schlaglöchern übersäte Straßen.

Eine Reifenpanne mitten in den Bergen kann die Busfahrt schon mal ein paar Stunden verlängern.

Nach elfeinhalb Stunden haben wir endlich unser Ziel erreicht: Antigua, Guatemala. Ein schönes, kleines Städtchen im Süden Guatemalas umgeben von Bergen und majestätischen Vulkanen. Erschöpft, müde und glücklich irgendwo angekommen zu sein, verschlinge ich gierig die Enchiladas in meinem Hostel und falle tot ins Bett. Ich bin gespannt, was mich in Guatemala erwartet.

Hannah
nepadawild@gmail.com
3 Kommentare
  • Jerry
    Veröffentlicht um 21:58h, 13 August Antworten

    Did you ever get your clothes back from the laundry?

    • Hannah
      Veröffentlicht um 05:23h, 14 August Antworten

      Haha, no, unfortunately not. Half of my stuff is left behind in the mountains of Mexico now. But it is amazing, how many people that I met on my way, helped out, gave me a shirt, socks or even pants. Lovely people (thanks to Lotte, Carmen, Lukas and Nico) – lucky girl! 🙂

  • Dan
    Veröffentlicht um 08:35h, 14 August Antworten

    Helllo from home😉
    Continue to enjoy and live it!!!

    Hope to have the chance to see u somewhere sometime

    Travel safe😎😎😎😎
    Cheers
    Dan

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