San Cristóbal de las Casas

Nach den ereignisreichen Tagen in den USA geht das große Abenteuer nun richtig los: meine Reise durch Lateinamerika. Eine neue Sprache, neue Tiere, neue Menschen, neue Natur. Ich muss zugeben, ich werde doch etwas nervös, als ich im Flieger Richtung Mexiko sitze. Bei der mexikanischen Airline wird schlagartig nur noch Spanisch gesprochen, eine Sprache, die ich, trotz des täglichen Vokabellernens, leider noch nicht beherrsche. Ich falle auf: groß, weiß, ein richtiger »Gringo« eben. (So werden hier alle englischsprachigen Ausländer genannt). Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, Lateinamerika ist mir noch ganz fremd. Und die besorgten und zweifelnden Blicke der Amis bezüglich meines Reiseziels machen das mulmige Gefühl nicht besser.

Doch sobald ich am Flughafen in Mexico City ankomme, sind die Zweifel verflogen. Ich treffe auf freundliche, herzliche und hilfsbereite Menschen, die zwar kein Wort Englisch sprechen, mir aber trotzdem eifrig alle meine Fragen beantworten. Einer der Sicherheitsbeamten rannte sogar mit mir durch den gesamten Flughafen von Mexico City, damit ich nach meinem verspäteten Flug auch ja noch das richtige Gate finde. Einfach nur nett. Schön war auch das Gespräch mit einem Taxifahrer, der sich, trotz meiner fehlenden Spanischkenntnisse, unbedingt mit mir unterhalten wollte. Sodass wir dann schließlich zusammen alle Tiere durchgingen, mit denen ich vielleicht jemals im Dschungel arbeiten würde: el mono, la arana, el jaguar, la pantera… bis wir dann eben am Ziel waren, herrlich!

Mit einem Bus geht es die Serpentinen entlang, immer höher und höher in die Berge. Bis wir endlich das schöne, verschlafene Städtchen erreichen.
San Cristóbal de las Casas, ein Labyrinth aus Einbahnstraßen, bunten Häusern und imposanten Kirchen.

Nach einer halben Ewigkeit (San Diego – Los Angeles – Mexico City – Tuxtla Gutierrez), viel Verspätung, Gewitter und Spanischen Wörtern in meinem Kopf, erreiche ich endlich Chiapas, ein grüner Staat ganz im Süden von Mexiko. Doch ich bin immer noch nicht ganz am Ziel. Mit einem Bus geht es fast zwei Stunden die Serpentinen entlang, immer höher und höher in die Berge. Ich klebe aufgeregt am Fenster. Links von mir endloses Grün, Wald, Berge und ab und zu kleine Dörfer. Rechts von mir geht es steil hinab und ich sehe nur ein Meer aus Wolken. Und dann, endlich am Ziel: San Cristóbal de las Casas. Ein kleiner zauberhafter Ort, in über 2.000 Metern Höhe, weit weg von allem. Es scheint, als würde hier die Zeit stillstehen. Ein Labyrinth aus Einbahnstraßen und Kopfsteinpflaster, bunte Häuser und zwischendrin imposante Kirchen, kleine Gassen, fröhliche Mexikaner. Im Ortskern ein kleiner grüner Platz, auf dem zurzeit ein Fest gefeiert wird. Auf dem Kirchplatz verkaufen die Frauen traditionelle Kleidung, Taschen, Schmuck und andere Andenken.

In diesem verschlafenen idyllischen Städtchen soll in den nächsten sieben Tagen ein internationaler Wildtiermedizin Kongress stattfinden? Das ist nämlich der Beweggrund für meine Reise hier her. Als ich durch die schönen kleinen Gassen laufe, auf der Suche nach Anmeldung zur Konferenz, muss ich schmunzeln. Man sollte sich öfters einfach mal überraschen lassen und ins kalte Wasser springen. Ich bin gespannt, was mich die nächsten Tage hier erwartet.

Hannah
nepadawild@gmail.com
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