Underwater II

Das Taucher-Resort »Scuba Junkie« auf Mabul Island ist ein perfekter Urlaubsort: traumhafte Aussicht, schöne Bungalows und ein tolles Team. Nur 20 Meter bis zum Strand – und dann führt ein langer Steg über das glasklare Wasser, in dem man schon die ersten knallblauen Seesterne und bunten Fische sieht. Direkt daneben die einfachen Bambushütten der Einheimischen. Das Scuba Junkie Team nimmt neben dem Tauchgeschäft auch seinen Umweltbildungsauftrag sehr ernst: Das Team unterstützt zahlreiche Meeresschutzprojekte, hat seine eigene Schildkröten-Schutzstation, klärt über die Gesundheit der Korallenriffe auf, informiert über die Folgen des Klimawandels und die Verschmutzung der Meere und sammelt jeden Morgen den angeschwemmten Müll vom Strand.

Die Folgen des Klimawandels stellen eine große Bedrohung für die Korallenriffe dar: Meeresspiegelanstieg, verheerende Stürme, erhöhte Wassertemperaturen und die Versauerung des Wassers führen zum Absterben der Riffe und zur sogenannten »Korallenbleiche«. Es gefällt mir, an einem Ort Urlaub zu machen, an dem Naturschutz nicht nur ein Werbeversprechen ist, sondern wirklich gelebt wird. Außerdem wird die Dimension des Artensterbens viel greifbarer für mich, wenn ich die beeindruckende Vielfalt unter Wasser selbst vor Augen habe. Die Tatsache, dass 60% der weltweiten Riffe durch Verschmutzung, Überfischung und andere menschliche Aktivität stark bedroht sind, trifft mich plötzlich mit einer ganz anderen Wucht.

Die Dimension des Artensterbens wird viel greifbarer, wenn man die beeindruckende Vielfalt unter Wasser selbst vor Augen hat.
Die Dimension des Artensterbens wird viel greifbarer, wenn man die beeindruckende Vielfalt unter Wasser selbst vor Augen hat.

Da die Scuba Junkies absolute Tauchexperten sind, lasse ich mich zu einem Tag »Discover Dive« überreden: eine ordentliche Einführung, Einüben der wichtigsten Basics und zwei Tauchgänge. Und dann lerne ich Mell kennen: der wohl coolste, entspannteste und vertrauenswürdigste Tauchlehrer. Ein Malaie, der das Meer und die Unterwasserwelt mehr liebt, als alles andere auf der Welt. Ein fröhlicher Mensch, der sich der Natur tief verbunden fühlt und mich nicht nur damit zutiefst beeindruckt. Mell sagt, sobald er unter Wasser tauche, sei seine Welt in Ordnung. Das möchte ich nun also auch ausprobieren. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was mich dort unten erwartet und ob unsere »kurze« Einführung nun wirklich ausreichend war? Das Taucher-Equipment ist zu schwer und es ist ja auch nicht so, als würde ich gleich im Hallenbad St. Pauli plantschen, sondern ich tauche gleich in die Tiefen des Pazifische Ozeans.

Mell, der coolste, entspannteste und vertrauenswürdigste Tauchlehrer.
Mell, der coolste, entspannteste und vertrauenswürdigste Tauchlehrer.
Mein erster Tauchgang! Ich bekomme wackelige Knie... das hier ist nicht das Hallenbad St. Pauli, sondern der Pazifische Ozean!
Mein erster Tauchgang! Ich bekomme wackelige Knie... das hier ist nicht das Hallenbad St. Pauli, sondern der Pazifische Ozean!

Ich meistere meine ersten Übungen unter Wasser und mir gelingt es, gleichmäßig ein- und auszuatmen. Ich darf einfach nicht darüber nachdenken, wie viele Tonnen Wasser sich über mir befinden oder wie lange es dauert bis ich die Oberfläche erreiche. Stück für Stück sinken wir weiter in die Tiefe. Es dröhnt in meinen Ohren und ich muss andauernd Schlucken, um den Druck auszugleichen. Und auf keinen Fall das Atmen vergessen. Mell hat mir erzählt, dass Sauerstoff unter Druck giftig wird. Deshalb, nutze man für Tauchgänge unter 42 Meter, Gase mit geringerem Sauerstoffgehalt. Der Gedanke macht mich in dem Moment etwas nervös, aber so tief tauchen wir in unserem »Discover Dive« ja zum Glück nicht.

Zum ersten Mal streift mein Blick über das schillernde Spektakel um mich herum. Ein Gefühl der Freiheit und unendlichen Weite umgibt mich. Beinahe schwerelos kann ich mich drehen und Purzelbäume schlagen (Mell muss lachen, ich sehe wohl noch nicht ganz so elegant aus, wie ich mich fühle). Das Atmen unter Wasser fühlt sich natürlich an. Der Druck und das Rauschen in meinen Ohren sind verschwunden.

Mir wird ja oft gesagt, ich sei leicht zu begeistern, aber mein erstes Mal atmend unter Wasser hat mich wirklich überwältigt.
Mir wird ja oft gesagt, ich sei leicht zu begeistern, aber mein erstes Mal atmend unter Wasser hat mich wirklich überwältigt.

Wahnsinn, wie sich plötzlich meine Perspektive verschiebt. Beim Schnorcheln habe ich schon so viel von oben bestaunen und entdecken können, aber hier unten bin ich mittendrin. Ich schwimme mit Fischschwärmen, gleite an Korallenriffen entlang und tauche unter Schildkröten her. Mir wird oft gesagt, ich sei leicht zu begeistern, aber mein erstes Mal atmend unter Wasser hat mich wirklich überwältigt: die schönsten Korallen, die ich je gesehen habe, schillernde Fische, groß und klein und gruselige Muränen, die aus Felslöchern hervorschnellen. Als ich sehe, wie sich eine Meeresschildkröte ihren Panzer an einem Felsvorsprung kratzt, muss ich so sehr grinsen vor Glück, dass mir das Wasser in die Taucherbrille strömt. Mist, mal eben auftauchen und sauber machen ist hier unten nicht. Aber es gibt auch dafür einen tollen Trick, den mir Mell beigebracht hat…

Hannah
nepadawild@gmail.com
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