Bis bald, Borneo!

Das letzte Mal laufe ich nach getaner Arbeit mit meinen Gummistiefeln den »Main Path« von den Booten bis zur Forschungsstation. Das »vorerst« letzte Mal, denke ich mir. Dieses Mal trotte ich besonders langsam, versuche mir jeden Baum genau einzuprägen, Geräusche und Gerüche um mich herum, noch einmal intensiv wahrzunehmen. Es ist später Nachmittag, einer der schönsten Zeiten im Wald, wenn die Sonne schon tief steht und ihr goldenes Licht durch die Blätter fällt. Verrückt, wie oft ich diesen Weg in den letzten zwei Monaten gelaufen bin: mal völlig verschlafen und schweigend, mal aufgeregt diskutierend nach erfolgreicher Arbeit, mal besonders schnell mit Vorfreude auf bevorstehendes Essen, mal erschöpft auf den Boden starrend, mal vor Moskitos fliehend, mal klitschnass mit schmatzendem Wasser in den Gummistiefeln und manchmal saß ich auch einfach nur hier, stundenlang, um Tiere zu beobachten.

Auf dem Main Path sitzend, schaue einem Orang Utan Weibchen beim Fressen zu, eine ganz eigene Welt.
Auf dem Main Path sitzend, schaue einem Orang Utan Weibchen beim Fressen zu, eine ganz eigene Welt.

Meine letzten zwei Monate im Dschungel sind schneller vergangen, als ich es für möglich gehalten hätte. Während ich hier so schwitzend entlang spaziere, mich von der benachbarten Vogelspinne verabschiede und ein letztes Mal unter die vom Skorpion bewohnte Wurzel spähe, weiß ich, dass ich keinen Moment missen möchte.

Ich habe interessante Forscher kennen gelernt, die mir tiefen Einblick in ihre Arbeit gewährten und mich mit ihrer Passion, ihrer Ausdauer und ihrer unendlichen Geduld tief beeindrucken. Ich habe mit Einheimischen gelebt, die mir mit ihrer fröhlichen Art, ihren spannenden Geschichten und ihrem unerschöpflichen Wissen über den Wald, das Herz geöffnet haben. Das alles auf engstem Raum, unter extremen Bedingungen und ohne Ausweichmöglichkeiten. Eine tolle Erfahrung Teil eines Teams zu sein, das die selbe Mission verfolgt: Arten studieren, um sie schützen zu können.

Auch die Kinder sind Teil der Forschungsstation.
Auch die Kinder sind Teil der Forschungsstation.

Als wir an meinem letzten Abend zusammensitzen, letzte Fotos und Kotaktdaten austauschen, werde ich zum Abschied mit einem echten, saftigen Schokoladenkuchen überrascht. Ich kann mein Glück kaum fassen und auch die anderen beäugen das Prachtexemplar sehnsüchtig, schließlich ist Schokolade hier absolute Mangelware! Doch auch ich bleibe nicht verschont. Als ich begeistert, gerührt und grinsend den Kuchen in den Händen halte, merke ich wie von hinten etwas Hartes auf meinem Kopf zerschlägt und mir anschließend klebrig den Rücken herunterläuft. Rohes Ei. Ein zweites kommt von links. Und dann noch eins. Zum krönendem Abschluss noch eine Schüssel Mehl– der gebührende Abschied aus dem Dschungel.

Ich werde mit Eiern, Mehl und Schokoladenkuchen verabschiedet - ein tolles Team!
Ich werde mit Eiern, Mehl und Schokoladenkuchen verabschiedet - ein tolles Team!

Ich hätte mich auch nur über den leckeren Kuchen gefreut und grübele noch, wie ich meine Klamotten vor der Abreise sauber bekomme. Doch als ich eben schnell den »Main Path« entlanglaufe, um, bevor der Strom ausgeht, noch die Eischalen und Mehlbrocken aus meinen Haaren zu entfernen, muss ich lächeln: Einen passenderen Abschied von diesem besonderen Ort gibt es wohl kaum. Bis Bald, Borneo!

Die Einheimischen öffneten mir mit ihrer fröhlichen Art, den spannenden Geschichten und ihrem unerschöpflichen Wissen über den Wald, das Herz.
Die Einheimischen öffneten mir mit ihrer fröhlichen Art, den spannenden Geschichten und ihrem unerschöpflichen Wissen über den Wald, das Herz.
Hannah
nepadawild@gmail.com
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