Python Action

Der Himmel wird immer dunkler. Aus der Ferne ist ein bedrohliches Donnergrollen zu hören. Hoffentlich verschont uns der große Sturm noch kurz. Zu fünft kämpfen wir uns durch das dichte Unterholz des Waldes, ausgerüstet mit einem Rucksack, drei Snake-Poles (eigentlich nur schlichte Eisenstäbe mit Haken am Ende) und etwas Wasser. Wir gehen auf Schlangenjagd. Ich bin etwas nervös. Auf meine Frage, ob es einen Plan gibt, bekomme ich nur die Antwort: »Nö. Das läuft jedes Mal anders ab. Wir müssen vor allem spontan sein.« Na toll, das beruhigt mich ungemein.

Wir folgen Richard (Rich) und seiner Radio-Antenne durch den Wald, auf der Suche nach einem Signal. Rich arbeitet auf Borneo an seiner PhD (wissenschaftlichen Arbeit) über Netzpythons (Reticulated Python; Malayopython reticulatus). Er beschäftigt sich mit der Ernährung der Riesenschlangen, beobachtet ihre Habitat-Nutzung und untersucht sie auf Endo- und Ektoparasiten (quasi intern und äußerlich). Dazu nimmt er Schuppen-, Kot-, Speichel- und Blutproben von wilden Pythons.

Rich nimmt Speichelproben von der neu besenderten Schlange.
Der Himmel wird immer dunkler. Aus der Ferne ist ein bedrohliches Donnergrollen zu hören. Hoffentlich verschont uns der große Sturm noch kurz. Zu fünft kämpfen wir uns durch das dichte Unterholz des Waldes, ausgerüstet mit einem Rucksack, drei Snake-Poles (eigentlich nur schlichte Eisenstäbe mit Haken am Ende) und etwas Wasser. Wir gehen auf Schlangenjagd. Ich bin etwas nervös. Auf meine Frage, ob es einen Plan gibt, bekomme ich nur die Antwort: »Nö. Das läuft jedes Mal anders ab. Wir müssen vor allem spontan sein.« Na toll, das beruhigt mich ungemein.

Vor drei Monaten hat er »Cahaya« besendert – damit war er der erste Forscher, dem es gelang, einer wilden Python einen Sender anzubringen. Jeden Tag zeichnet dieser Bewegungen und Standortwechsel der Schlange auf. Heute wollen wir Cahaya wieder einfangen, um ihr den Sender vom Rücken zu nehmen und sie zu untersuchen. Es ist kaum etwas über die Nutzung ihrer Lebensräume, Aktivitäts- und Ruhephasen, Jagdmethoden oder Verstecke von Netzpythons bekannt. Das macht das Forschungsprojekt so spannend.

Das Radiosignal des Senders führt uns zu einem dichtem Geäst aus Lianen, Wurzeln und Ranken neben einem dicken Baumstamm. Eine Art Höhle also – laut Rich ein beliebtes Versteck. Wir versuchen mit der Stirnlampe unter den Ästen hindurch zu leuchten, um einen Augenschein oder eine Reflektion der glänzenden Schuppen zu entdecken – erfolglos. Also beginnt das Wühlen, Buddeln und Aufschütteln der Äste und Wurzeln. Dabei bleibt die ganze Zeit das mulmige Gefühl, plötzlich auf einen Schlangenkopf zu stoßen. Nach einer halben Ewigkeit in Dreck und Schweiß geben wir auf. Vermutlich hat sich die 4 Meter lange und über 18 Kilo schwere Schlange in einem Tunnel unter der Erde versteckt, aus dem wir sie so nicht herausbekommen.

python1

Als wir die Snake-Poles zusammensuchen, entdeckt Rich unter einer großen Wurzel eine Bewegung. Glänzende Schlangenschuppen. Hochkonzentriert und schnell versuchen wir, den Kopf der Schlange zu lokalisieren, während wir sie aus der Erde ziehen. Unheimlich schnell windet sie sich immer wieder um neue Wurzeln. Ich bekomme ihren Schwanz zu fassen und packe fest zu. Ich hatte nicht erwartet, dass sich Schlangenschuppen so weich und samtig anfühlen – und leider auch sehr glatt sind. Als die anderen rufen, dass der Kopf der Schlange in meine Richtung komme, rutscht mir mein Herz in die Hose. Aber es bleibt keine Zeit für Angst, dafür geht auch alles viel zu schnell. Rich hat den Kopf der Schlange fixiert und wir versuchen das Tier mit vereinten Kräften aus der Höhle zu ziehen.

Mit vereinten Kräften befreien wir die 4 Meter große Schlange aus dem Geäst.
Der Himmel wird immer dunkler. Aus der Ferne ist ein bedrohliches Donnergrollen zu hören. Hoffentlich verschont uns der große Sturm noch kurz. Zu fünft kämpfen wir uns durch das dichte Unterholz des Waldes, ausgerüstet mit einem Rucksack, drei Snake-Poles (eigentlich nur schlichte Eisenstäbe mit Haken am Ende) und etwas Wasser. Wir gehen auf Schlangenjagd. Ich bin etwas nervös. Auf meine Frage, ob es einen Plan gibt, bekomme ich nur die Antwort: »Nö. Das läuft jedes Mal anders ab. Wir müssen vor allem spontan sein.« Na toll, das beruhigt mich ungemein.

Endlich halten wir die Riesenschlange keuchend in den Händen. Geschafft. Aber wieso hat sie keinen Sender auf dem Rücken? Das Signal hat uns doch hierhergeführt? Nachdem wir das 4 Meter-Tier in einem Sack verstaut haben, wird spekuliert. Vielleicht hat sie den Sender gerade erst verloren? Aber dann hätte man wenigstens Spuren am Schwanz entdeckt. Vielleicht hat diese Schlange auch Cahaya samt Sender gefressen? Aber das wäre wohl deutlich zu sehen. Rich ist etwas ratlos, aber trotzdem zufrieden mit dem neuen Fund, schließlich kann er nun auch dieses Tier besendern.

Sergio klettert ein letztes Mal in die Höhle, um noch einmal nach reflektierenden Schlangenaugen Ausschau zu halten, bis ich ihn leicht hysterisch darauf hinweise, dass er auf einer Schlange kniet. Und tatsächlich, Cahaya liegt seelenruhig und zusammengerollt unter Sergios Knien und wartet wohl darauf, dass wir endlich abhauen. Zum Glück lässt sich keiner von meiner Panik anstecken und konzentriert geht dasselbe Spiel von vorne los.

Irgendwie weiß jeder genau, was zu tun ist. Am wichtigsten ist es, den Kopf zu fixieren und die (wirklich wahnsinnig kräftige) Riesenschlange davon abzuhalten, sich um einen zu schlingen. Da wir keinen zweiten Sack dabeihaben, muss nun Richs Rucksack herhalten. Wäre ich nicht so angestrengt und konzentriert, müsste ich wohl über dieses Bild lachen, wie wir die 18 Kilo Schlange vorsichtig in den kleinen Rucksack falten. Zack, Reißverschluss zu.

Vorsichtig wird die Riesenschlange im Rucksack verstaut.
Der Himmel wird immer dunkler. Aus der Ferne ist ein bedrohliches Donnergrollen zu hören. Hoffentlich verschont uns der große Sturm noch kurz. Zu fünft kämpfen wir uns durch das dichte Unterholz des Waldes, ausgerüstet mit einem Rucksack, drei Snake-Poles (eigentlich nur schlichte Eisenstäbe mit Haken am Ende) und etwas Wasser. Wir gehen auf Schlangenjagd. Ich bin etwas nervös. Auf meine Frage, ob es einen Plan gibt, bekomme ich nur die Antwort: »Nö. Das läuft jedes Mal anders ab. Wir müssen vor allem spontan sein.« Na toll, das beruhigt mich ungemein.

Erleichtert, zufrieden und noch etwas ungläubig werden »High-Five« verteilt. Meine erste Python-Jagd: erfolgreich! Zurück auf der Station werden wir die neue Schlange untersuchen, Proben entnehmen und einen kleinen 300 Gramm Sender am Schwanz anbringen. Als Rich Cahaya im Rucksack und Toby und ich die zweite Schlange zurück in den Wald bringen, freue ich mich etwas darüber, wie abwegig manche Situationen hier einfach oft sind.

Verrücktes Gefühl mit einer Netzpython auf der Schulter durch den Dschungel zu laufen.
Der Himmel wird immer dunkler. Aus der Ferne ist ein bedrohliches Donnergrollen zu hören. Hoffentlich verschont uns der große Sturm noch kurz. Zu fünft kämpfen wir uns durch das dichte Unterholz des Waldes, ausgerüstet mit einem Rucksack, drei Snake-Poles (eigentlich nur schlichte Eisenstäbe mit Haken am Ende) und etwas Wasser. Wir gehen auf Schlangenjagd. Ich bin etwas nervös. Auf meine Frage, ob es einen Plan gibt, bekomme ich nur die Antwort: »Nö. Das läuft jedes Mal anders ab. Wir müssen vor allem spontan sein.« Na toll, das beruhigt mich ungemein.
Hannah
nepadawild@gmail.com
1 Comment
  • arno
    Posted at 13:20h, 02 Mai Antworten

    Na gut, dass Cahaya euch nicht wie Mogli mit ihrem betörenden Gesang betäubt hat
    😉

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