Spinnen

Ich mag keine Spinnen. Überhaupt nicht. Käfer, Kakerlaken oder anderes Krabbelgetier sind kein Problem für mich, aber Spinnen haben mir irgendwie zwei Beine zu viel. Ich habe mir früher immer vorgestellt, wie die Spinnen aus dem Keller wach werden, wenn es dunkel wird und mit ihren langen haarigen Armen zwischen den Treppenstufen nach mir greifen, wenn ich noch etwas zum Abendessen von unten holen musste. Erstaunlich, wie präsent dieses Bild auch heute noch in meinem Kopf ist. Das Problem ist, dass die Spinnen in tropischen Ländern wie Madagaskar, den Philippinen oder eben auch hier im Dschungel immer größer und gefährlicher werden. Oder überhaupt gefährlich, die Spinnen in Deutschland sind es ja gar nicht.

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Ich fand ja die Winkelspinnen in unserer Garage schon doof, aber verglichen zu der Größe, Vielfalt und Masse an Spinnen im Regenwald war das gar nichts. Es fängt schon damit an, wenn man vom Boot aus zur Station läuft und auf eine riesige, bläuliche, haarige Vogelspinne trifft. »Keine Sorge, Hannah, die wohnt hier, die tut Dir nichts.«  Nicht besonders hilfreich, aber nach den zwei Monaten habe ich mich auch an diese Dame gewöhnt und es war tatsächlich ein absolutes Highlight, als eines Tages plötzlich an die Hundert Spinnenbabys mit aus ihrem Loch krabbelten.

Lampropelma sp.
Lampropelma sp.

Wenn ich tagsüber durch den Dschungel stapfe, versuche ich mir oft einzureden, hier gäbe es kaum Spinnen: Was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Die klebrigen Spinnennetze im Gesicht versuche ich so gut es geht zu ignorieren. Nur funktioniert diese Strategie spätestens nachts leider gar nicht mehr. Wenn wir mit Stirnlampe und Gummistiefeln durch die Dunkelheit stapfen, um zum Beispiel nach dem Augenschein der Plumploris oder Koboldmakis Ausschau zu halten, konzentrieren wir uns besonders auf Reflektionen. Denn viele nachtaktive Tiere wie Loris, Zibetkatzen, Krokodile, aber auch Katzen und Hunde besitzen eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut des Auges, das sogenannte »Tapetum lucidum«. Dieser Augenschein ist besonders hilfreich zum Sichten von Wildlife.

Schnell fällt mir ein hübsches Funkeln überall auf dem Boden, an den Bäumen und zwischen den Blättern auf. Als hätte jemand Glitzer im Wald verstreut. Schaue ich aber genauer hin, entdecke ich Spinnen. Viele viele Spinnen. Jedes Funkeln gehört zu einer Spinne, denn auch sie besitzen das Tapetum lucidum. Diese Entdeckung macht mir die nächtlichen Verfolgungstouren durch den Wald nicht unbedingt leichter. Ganz davon abgesehen, dass einem wirklich andauernd Mücken, Riesenfalter oder auch gerne mal Fledermäuse in die Stirnlampe fliegen.

Seidenspinne (Nephila)
Seidenspinne (Nephila)

Nach einigen Monaten Dschungel, unserer Vogelspinnen-Nachbarin und einer verlorenen Wette, wegen der ich eine riesige Spinne auf die Hand nehmen musste, habe ich mich damit abgefunden, dass ich hier mit Spinnen zusammenlebe. Das mit der Angst findet ja eh nur im Kopf statt. Aber trotzdem bin ich jedes Mal froh, wenn ich am abends ins Bett krabbele und mich unter meinem Moskitonetz sicher fühlen kann.

Hannah
nepadawild@gmail.com
1 Comment
  • Andreas Krzok
    Posted at 14:59h, 04 Mai Antworten

    Ich dachte, seit Horst Sterns unglaublichen Filmen (und Büchern) „Leben am seidenen Faden“ wäre die Arachnophobie chancenlos. Aber ich in meinem Giftspinnen-freien Lebensraum habe gut reden. Ich wünsche Dir, dass die Konfrontationstherapie, der Du Dich mehr oder weniger unfreiwillig stellst (siehe Seidenspinne auf Deiner Hand *), auf Dauer Erfolg hat.

    *) eines von Deinen eindrucksvollen Fotos, die mich neidisch machen könnten.

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