Back to Borneo

Meine Reise auf den Philippinen mit Strand, Bergen und Erholung neigt sich dem Ende zu und das nächste Abenteuer steht bevor: der Regenwald. In Manila ernte ich noch verwunderte Blicke, als ich bei 32 Grad und Sonne mit meinen Gummistiefeln und großem Rucksack durch den Flughafen stapfe. »Wenn die wüssten, wo ich hinwill«, denke ich mir…

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Am späten Abend lande ich nach nur zwei Stunden Flugzeit mit einer kleinen Maschine in Kota Kinabalu im malaiischen Bundestaat Sabah. Aus dem Flieger sehe ich schon den beeindruckenden Mount Kinabalu, der mit seinen 4.095 m bis über die Wolken ragt. Es scheint mir in dem Moment noch schwer vorstellbar, nach diesem kurzen Weg und ganz ohne Zeitverschiebung bald wieder im Dschungel zu sein?

Am nächsten Morgen holt mich ein Mitarbeiter der Forschungsstation früh an dem kleinen Bed & Breakfast, in dem ich übernachtet habe, ab und wir machen uns auf den langen Weg Richtung »Kinabatangan Wildlife Sanctuary«. Die 752.000 km² große Insel Borneo ist zwischen den drei Staaten Malaysia, Indonesien und Brunei aufgeteilt. Nach sieben Stunden Autofahrt erreichen wir endlich unser Ziel im Norden der Insel. Der Kinabatangan ist der größte Fluss in Sabah und sein circa 4000 km² großes Überschwemmungsgebiet steht unter Naturschutz. Als wir den Fluss erreichen, regnet es in Strömen. Erstaunt stelle ich fest, wie hoch das schlammig braune Wasser steht. Das hatte ich anders in Erinnerung. Nach einer halben Stunde nimmt der Regen zum Glück etwas ab und wir fahren mit einem kleinen Motorboot flussabwärts zur Station. Es tut gut, wieder den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, die Bäume rauschen vorbei und da, endlich, die ersten Affen. Makaken laufen am Ufer entlang. Eine Gruppe von Nasenaffen sitzt im Baum. Zwei Nashornvögel fliegen über den Fluss. Ich hole tief Luft und kann mein freudiges Grinsen nicht verbergen.

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An der Forschungsstation angekommen werden wir wieder vom Regen eingeholt und ich hetze schnell durch den Matsch zu meiner Unterkunft. Wie gut, dass ich schon die Gummistiefel an den Füßen habe. Nass geschwitzt und erschöpft lege ich den großen Rucksack ab. Hier herrscht definitiv eine höhere Luftfeuchtigkeit als auf den Philippinen. Alles ist klamm und feucht. Und wird es die nächsten zwei Monate wohl auch bleiben. Ich bin viel zu aufgeregt, um unter die kalte Dusche zu springen oder auszupacken. Ich möchte unbedingt alle wiedersehen. Also nur schnell aus den nassen Klamotten raus und los zum Hauptgebäude, das circa 100 Meter von meiner Unterkunft entfernt steht. Freudige Begrüßung. Viele alte Gesichter, aber auch einige Neue. Forscher, Freiwillige und Forschungsassistenten aus der ganzen Welt sind hier: Großbritannien, Mexiko, USA, Belgien, Tschechien, Malaysia. Ein bunter Haufen. »Welcome back!«

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Es hat sich kaum etwas verändert auf der Station. Außer den Solarzellen auf dem Dach, die sind neu. Eine super Investition, hoffentlich können sie irgendwann den stinkenden Diesel-Generator ganz ersetzen. Jetzt, wo die Regenzeit ihr Ende nimmt, müssten sie annähernd genug Strom produzieren. Ich komme pünktlich zum Abendessen. Als wir alle zusammen am Tisch sitzen und ich über die neusten Ereignisse aufgeklärt werde und die verschiedenen Sprachen erklingen, merke ich, wie froh ich bin, wieder hier zu sein. Ich fühle mich pudelwohl und freue mich sehr auf meine nächsten zwei Monate Praktikum.

Abends im Bett, nachdem ich mein Moskitonetz erfolgreich aufgehängt habe, lausche ich den Geräuschen. Ich hatte ganz vergessen, wie laut es hier ist. Singende Vögel, zirpende Insekten, Rascheln in den Bäumen. Ich merke, wie alle Anspannung von mir abfällt. Ich bin zufrieden: Endlich wieder zurück im Dschungel. Bevor ich einschlafe, taste ich nochmal nach meiner Stirnlampe neben meinem Kopfkissen. Nur, um sicher zu gehen.

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Hannah
nepadawild@gmail.com
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