Reis

Reis (Oryza sative Linneaus) ist Asiens wichtigstes Getreide und Lebensmittel und begleitet mich durch all meine Asienreisen. Die Gründe sind seine hohe Produktivität, Anpassung an die klimatischen Bedingungen und seine gute sättigende Wirkung. Auch auf den Philippinen esse ich dreimal am Tag Reis. Ob mich das stört? Überhaupt nicht. Ich werde nie vergessen, wie meine philippinische Freundin beim Abendbrot in Deutschland ungläubig den Tisch beäugte und mich verwundert fragte: »Und wo ist der Reis?« Sogar zu Spaghetti oder Kartoffeln gibt es hier selbstverständlich Reis. Der philippinische Ausdruck für ‚Essen‘ ist gleichzeitig Synonym für ‚Reis Essen‘ (Kanin). Das führt auch dazu, dass ausschließlich mit Löffel und Gabel gegessen wird (oder auch gern mit den Händen). Um ein Messer gedeckt zu bekommen, braucht es schon einigen Aufwand.

Im Norden der Philippinen besuchte ich die Hochebenen von Luzon mit ihren immens großen und beeindruckenden Reisterassen. Von den Stämmen der Ifugao, den Ureinwohnern dieser Bergregionen, in Jahrhunderten in Handarbeit erbaut und mit eigenem Bewässerungssystem ausgestattet, erstrecken sich die Felder über Täler und Berge. Sie erinnern mich an Stufen Richtung Himmel.

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Die Reisproduktion ist ein sorgfältiger Prozess, der mehrere Monate spezialisierte Arbeit erfordert. Es ist spannend zu sehen, wie die Männer ihre Reisfelder für die nächste Saat vorbereiten. Der Schlamm wird umgepflügt, gedüngt und geglättet. Anschließend beginnen die Frauen mit der Auswahl und Aussaat der Samen.

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Die Keimlinge werden vorerst in einem kleineren abgegrenzten Feld angezüchtet und dann anschließend umgesetzt. In immer gleichem Abstand, jeder Setzling einzeln. Eine immense Arbeit und starke körperliche Beanspruchung. Die Ernte umfasst Wachstumsstufen und Pflege gegen Unkraut, Schädlinge und Krankheiten. Dazu werden keinerlei Pestizide genutzt, dagegen wehren sich die Einheimischen.

Als ich meinen Guide beeindruckt frage, ob die Reisbauern an ihren Feldern gut verdienen, schüttelt er energisch den Kopf. Es kann nur zweimal im Jahr gesät werden. Und die Ernte reicht kaum für den Eigenbedarf aus. Ob ich denn hier im Dorf den heimischen Reis essen könne? Er verneint wieder und antwortet, in all den Restaurants gäbe es nur noch den kommerziellen Reis zu essen bzw. auf dem Markt zu kaufen. Schon komisch, da bin ich gefühlt nur umgeben von Reisfeldern, ernähre mich fast ausschließlich von dem Getreide und komme trotzdem nicht in den Genuss, den regionalen Reis zu probieren. Aber dieses Gefühl kenne ich auch zu gut aus deutschen Supermärkten.

Der Guide erzählt, wie wichtig der Reisanbau auch für die sozialen Strukturen der Gemeinden war und ist. Das Leben der Ureinwohner richtete sich mit Festakten, saisonaler Wanderung und Hochzeit nach einem Reis-Produktions-Kalender.

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Das extreme Wachstum der Weltbevölkerung im 20. Jahrhundert führte allerdings auch auf den Philippinen zu einer meist nur noch kommerziellen Reisproduktion mithilfe von moderner Wissenschaft und Technik. Konsequenzen sind die sinkende Bedeutung, kultureller Wert, sowie ein sinkender Glaube an Reis, Ackerbau und Landwirtschaft. Das wird auch in diesen abgeschiedenen, ländlichen Bergregionen deutlich.

Es ist außerdem interessant, Reis und die Reis-Landwirtschaft im Kontext mit Biodiversität und dem Klimawandel zu setzen. Nur noch zwei von ursprünglich über 20 verschiedenen Oryza-Arten werden heute kommerziell angebaut. Der Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb der Reissorten ist ein großes Problem. Diese Vielfalt könnte bei der Anpassung an die sich doch extrem verändernde Umwelt beitragen. Plötzliche Wechsel von Trocken- und Regenzeit, sowie extreme Wetterbedingungen führen zu verringerten Erträgen.

Hannah
nepadawild@gmail.com
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