Sagada

Sagada ist eine philippinische Stadtgemeinde in den Bergen von Nord-Luzon. Ich war vor fünf Jahren zum ersten Mal dort und hatte es als einen kleinen, verschlafenen Ort in Erinnerung, umgeben von Bergen und Kiefernwäldern. Es herrschte eine gelassene Stimmung und man konnte sich nach dem Trubel der vielbesuchten Reisterrassen und der Großstadt Manila entspannt dem Tagesrhythmus der Filipinos anpassen und durchatmen. Ich übernachtete damals in einem kleinen Homestay mit der Rezeption direkt im Wohnzimmer. Als ich eincheckte, war anscheinend gerade Friseurtag, zumindest wurden in der Stube fleißig Haare geschnitten, während nebenan in der Küche das Abendessen köchelte. Ich fühlte mich in der holzvertäfelten familiären Unterkunft direkt wohl. Es war ein Highlight, im »Yoghurt House« nach meinen sieben Monaten auf den Philippinen das erste mal wieder einen richtigen Joghurt zu essen und irgendwie auch witzig, im Café nebenan den berühmten »Bantai Civet Coffee« zu probieren – eine Kaffeesorte, die aus ausgeschiedenen Kaffeebohnen vom Fleckenmusang gewonnen wird.

Jetzt, einige Jahre später, möchte ich diesen besonderen Ort unbedingt wieder besuchen. Als ich an der Adresse des besagten Homestay ankomme, bin ich erstmal etwas verwirrt: Wo damals ein gemütliches Holzhaus einsam auf dem Hügel stand, erblicke ich nun vier große Häuser, doppelstöckig, in aufgemalter Holzoptik. Ich schiebe mich an dem zugehörigen großen Restaurant, zwei Bungalows und weiteren Renovierungsarbeiten vorbei und finde die ausgeschilderte Rezeption. Kein Friseur da. Keine kochenende Mama. Mein Zimmer ist in einem der neuen Häuser und als ich frage, ob sie neu gebaut haben, bekomme ich die stolze Antwort: »Yes, yes Mam. Everything new. Getting bigger and bigger, so many people coming.«

Etwas ernüchtert, aber trotzdem froh, angekommen zu sein, laufe ich die Hauptstraße entlang. An jeder Ecke gibt es Touristenshops mit bunten Hüten, Schnitzereien und Ramsch. In der Touristeninformation bekomme ich Infos zu zahlreichen geführten Touren durch Höhlen, über Berge, zum Underground River oder zum Klettern. Die Straße ist gesäumt von westlichen Restaurants, die überteuerte Italian Pizza, French Crepe oder Spaghetti servieren. Das Yoghurt Haus finde ich schließlich auch, aber es geht etwas unter zwischen all den neuen Möglichkeiten.

Am nächsten Tag mache ich eine Wanderung durch die Berge. Mir ist nicht so nach Touristenmassen, die zu den hängenden Särgen oder in die Höhlen stürmen. Ich genieße die frische Luft in den grünen Pinienwäldern und die Wahnsinns-Aussicht von den Bergen. Die Stadt scheint nicht mehr so klein, wie ich sie in Erinnerung hatte. Wenn ich so bei den kühlen Temperaturen durch den Wald stapfe, fühle ich mich weniger nach Philippinen (Sonne, Strand, Palmen, Meer), sondern eher nach einem Sommerurlaub in Schweden. Schon cool, wie vielfältig dieses Land hier ist.

Mein Guide erzählt mir, dass man sich hier damals auf der Straße immer grüßte und kurz plauderte. Das sei nun nicht mehr so. Jetzt sei keine Zeit mehr dafür, es gäb immer viel zu tun, immer viel Business. Was geschieht mit einem Städtchen, das im Lonely Planet als »südostasiatisches Backpacker-Mekka« beschrieben wird?

Hannah
nepadawild@gmail.com
1Kommentar
  • Susanne
    Veröffentlicht um 11:32h, 09 Februar Antworten

    Ich denke so gerne an Sagada zurück. Es war genau so, wie du es beschrieben hast – ein ganz besonderer Ort. Ich hatte immer fest vor, noch einmal dorthin zu fahren – aber nach deinen Erfahrungen lasse ich es wohl besser.
    Natürlich ist den Menschen nicht zu verübeln, dass sie ihre Stadt weiterentwickeln und am Tourismus verdienen wollen. Aber gibt es keine Möglichkeit, dass dabei nicht alles platt gemacht wird? Mich macht das wirklich ratlos.
    Das „Lonely-Plane-Phänomen“ haben wir auch in Island beobachtet. Wenn ein Ort im Lonely Planet angekommen ist – dann scheint es auch schon um ihn geschehen zu sein….

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