Bevor es dann losgeht…

Meine nächste Reise steht bevor: drei Monate Südostasien. Bevor es allerdings losgeht und ich in den Flieger an’s andere Ende der Welt steige, gibt es immer noch so einiges zu tun. Man sollte glauben, ich sei die Vorbereitungen, Organisation und Aufregung so langsam gewohnt, aber das stimmt ganz und gar nicht. Klar, ich weiß nun besser, was mich im Dschungel erwartet, aber trotzdem braucht es immer wieder mehrere To Do Listen, bis ich mich gut vorbereitet fühle.

Es beginnt schon einige Monate vor Abreise mit meinem Besuch beim Tropenmediziner (Betriebsarzt meiner Universität): Welche Impfungen möchte ich auffrischen? Wie vollständig ist meine Reiseapotheke? Die Entscheidung: Nehme ich Malaria-Prophylaxe oder nicht? Ich habe etwas gebraucht, mir da meine eigene Meinung zu bilden, schließlich ist jede lange Reise auch wieder eine Zumutung für meinen Körper. Jede Impfung eine zusätzliche Belastung. Und jede Parasitose eine mögliche Gefahr. Aber ich habe es geschafft, einen Mittelweg zu finden, mit dem ich mich wohl fühle. Mit dem ich zwar Risiken eingehe, aber auch gut gegen mögliche Ungeheuer gewappnet bin. Letztenendes habe ich mir in den vergangenen Jahren eine sorgfältig beschriftete Reiseapotheke in luftdichten Plastikbeuteln zusammengestellt, mit der ich für die schlimmsten Notfälle im Dschungel gewappnet bin. Denn dort kriegt man nicht mal eben ein Antibiotikum oder eine Schmerztablette.

Dazu kommt das Buchen der Flüge, das Abklären der Visabestimmungen und die Beachtung der tierseuchenrechtlichen Einfuhr von Proben. Und dann ist da noch das Equipment. Ich fand die Vorstellung anfangs ziemlich abwegig, bei 30 Grad und über 85 % Luftfeuchtigkeit nur noch im sandfarbenen langärmeligen Tropenoutfit und dicken Gummistiefeln herumzulaufen, aber ich bin am Ende immer wieder dankbar für diese Ausrüstung. Auch Kompass, Taschenmesser und Stirnlampe werden im Dschungel zu überlebenswichtigen Gegenständen, da verliert das Handy sichtlich an Bedeutung.

Vor allem so ein Stichheiler zur Behandlung von Insektenstichen wird Gold wert. Völlig chemiefrei und nur mit Wärme hat er mich schon oft von fürchterlichem Juckreiz erlöst. Super Teil! Insektenrepellent ist bei so einer hohen Luftfeuchtigkeit nämlich nur begrenzt erfolgreich und irgendwie sträube ich mich auch dagegen, mich jeden Tag mit Chemie einzusprühen. Wenn ich schon im Dschungel hocken möchte, muss ich mit den Konsequenzen klar kommen. Und wenn es Blutegel, Moskitos oder Hundertfüßer sind.

Am Ende ist es auch immer wieder cool zu merken, mit wie wenig man eigentlich auskommen kann. Mein Rucksack ist gepackt. 20kg. Mehr werde ich für die drei Monate nicht brauchen. Ob mir etwas fehlen wird? Nee, ich habe ja genug Ablenkung um mich herum. Obwohl… so eine heiße Dusche, Schokolade, mein Rennrad… das ist schon etwas Feines!

Ich weiß noch, wie ich im Herbst einen Freund vom Bahnhof abholte und der mich etwas entgeistert anguckte, als ich mir vor dem Frühstück noch eben schnell Typhus abholen wollte. Doch als wir in der Apotheke den bestellten Impfstoff abholte, wurde er etwas entspannter und wir gingen dann eben mit einer Kühlbox frühstücken. Schön auch, wie selbstverständlich die Tollwut einige Wochen in unserem WG-Kühlschrank herum lag, aber vielleicht sind da Tiermediziner einfach etwas schmerzfreier…

Hannah
nepadawild@gmail.com
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