Schlachthof

In den letzten Wochen lernte ich eine mir äußerst fremde und doch so alltägliche Arbeit kennen. Es stimmte mich zwar nicht besonders weihnachtlich, aber zeigte mir eine für mich neue Realität. Ich absolvierte ein dreiwöchiges Praktikum am Schlachthof. Ein Pflichtpraktikum eines jeden Tiermedizinstudenten, nicht gerade beliebt, aber eben Pflicht. Ich hatte ehrlich gesagt ziemlich Bammel vor diesen drei Wochen, malte mir die schlimmsten Bilder aus und mir graute schon vor dem Weihnachtsgulasch zu Hause.

Auf der anderen Seite, fand ich es auch wichtig, mich mit dem Thema auseinander zu setzen. Wo kommt das Fleisch aus REWEs Kühltheke eigentlich wirklich her? Tierärztin hin oder her, sollte sich das nicht jeder Verbraucher mal fragen?

Die Mastschweine warten geduldig, bis es weitergeht.

Ich kann beruhigt nach dieser Zeit feststellen, dass sich am Schlachthof keine meiner ausgemalten Horrorszenarien mit quietschenden, gequälten Schweinen oder völlig verängstigten Rindern abspielen. Ganz im Gegenteil, ich lernte exakt festgelegte Richtlinien kennen, die in Deutschland für den Transport und das Schlachten der Tiere gelten. Es ist beruhigend zu sehen, dass sobald eines dieser Gesetze nicht eingehalten wird, der zuständige Tierarzt direkt eingreifen und auch gegenüber dem Landwirt eine gesetzeskonforme Tierhaltung einfordern kann. Diese Gesetze dienen dem Tierwohl. Ich habe begriffen, dass der verantwortliche Tierarzt weitaus mehr für den direkten Tierschutz in der Massentierhaltung bewirken kann, als in der Macht eines jeden Tierschützers steht. Genau deshalb ist die Präsenz eines Tierarztes am Schlachthof so wichtig, wie ich finde.

Außerdem wurde mir in diesen Wochen wieder aufgezeigt, dass all die Massen an Fleisch, die wir jeden Tag verzehren, am Abendbrottisch, in der Burgerbar oder beim Vietnamesen, auch irgendwo herkommen müssen. Ich habe so viele tote Tiere gesehen, wie ich mir vorher nicht vorzustellen vermochte. So viel rohes Fleisch. Blut. Organe. Am Fließband. Alle zwei Sekunden ein neuer Schlachtkörper. Routiniert. Maschinell. Ein Rohstoff. Ein Lebensmittel.

Die ausgemusterten Schlachtkörper hängen zur Begutachtung im Kühlraum.

Das hat mich wohl am meisten abgeschreckt. Diese Masse an Fleisch und der Verlust der Würde der Tiere. Plötzlich war dieser schöne, machtvolle, vor Kraft strotzende Bulle nur noch ein totes Stück Fleisch, das wie Ware behandelt wurde. Ja, ich glaube dieser Anblick und dieses Gefühl hat mich am meisten getroffen. Zugegeben, mir ist auch das Herz in die Hose gerutscht, als ich sah wie eine 500 Kilo Kuh betäubt wird, zu Boden geht und durch einen Kehlschnitt ausblutet. Aber schließlich war mir schon vorher klar, dass Tiere sterben müssen, bevor wir sie essen. Und ich finde wenigstens die Betäubung der Tiere vor der Schlachtung beruhigend – ein unverzichtbarer Standard.

Was ich nun aus diesen drei Wochen am Schlachthof mitnehme? Ich werde dort sicherlich niemals arbeiten wollen. Das könnte ich nicht. Ich bin aber dankbar, dass verantwortungsvolle Tierärzte das tun und sich um Tierwohl und Tiergesundheit kümmern. Massentierhaltung und Wirtschaftlichkeit bleiben für mich Begriffe mit denen ich mich nur schwer anfreunden kann. Für mich liegt die Lösung in einem bewussten, reduzierten Fleischkonsum, verbunden mit der Bereitschaft, eine artgerechte Tierhaltung auch zu bezahlen. Vielleicht sollte jeder Mensch, der Fleisch isst, mal einen Schlachthof besucht haben oder durch einen Schweinemastbetrieb gelaufen sein?

Die Tiere werden nach langem Transport in großen mehrstöckigen LKWs an der Rampe des Schlachthofs ausgeladen.
Hannah
nepadawild@gmail.com
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