Südafrika

»Waka waka…‘cause this is Africa!« und »Bafana Bafana« waren zwar die ersten Worte, die wir hörten und sahen, sobald wir den Flughafen in Johannesburg betraten und die riesigen Fußbälle und Worldcup-Plakate erblickten, jedoch wurde uns in den letzten Wochen schnell bewusst, dass Südafrika sehr viel mehr zu bieten hat: Nie zuvor hatten wir ein Land mit solcher Vielfalt, Gastfreundschaft und Lebensfreude erlebt.

Ein Jahr zuvor begann die Planung: Wir, die Rover-Gruppe aus Bonn-Beuel, trafen uns zum Grillen im Garten unseres Leiters. Er erzählte uns vom Nangu Thina e.V. So wurde die Idee geboren, ein Südafrika-Projekt zu starten. Die Flüge wurden gebucht und es wurde ernst. In den Gruppenstunden planten wir Aktionen, um Geld für unsere Fahrt und unsere Projekte in Südafrika zu verdienen: Wir haben Kekse verkauft, Fenster geputzt, Flohmärkte veranstaltet und bei Kinderbetreuungen mitgearbeitet. Ganze Wochenende gingen dabei drauf, aber das große Ziel vor Augen machte das Arbeiten leichter.

Ende Juli saßen wir im Flugzeug, zehn Rover zwischen 17 und 22 Jahren und zwei Leiter, alle aus komplett verschiedenen Lebenssituationen (Schule, Zivi, Studium, Ausbildung, Arbeit, frischer Vater), auf in ein aufregendes neues Land.

In einem Aids-Waisenhaus strichen wir ein Haus, erneuerten Fußböden, kauften Utensilien und spielten mit den Kindern.
In einem Aids-Waisenhaus strichen wir ein Haus, erneuerten Fußböden, kauften Utensilien und spielten mit den Kindern.

Unsere Reise startete in Johannesburg. Dort mieteten wir uns zwei Kleinbusse und fuhren zu einem Scoutcenter. Wir wurden von sehr netten weißen afrikanischen Pfadfindern empfangen, bei denen wir für zwei Tage in Gastfamilien unterkamen. Die riesigen Mauern mit Stacheldraht und Elektrozaun um die Häuser wirkten zwar einschüchternd, aber unsere südafrikanischen Freunde machten uns das Wohlfühlen trotzdem einfach. In diesen zwei Tagen bewegten wir uns eher in den reicheren Teilen der Stadt. Wir besuchten das Apartheidmuseum, stiegen in eine Goldmiene und besichtigten die Stadt.

Montagmorgen brachen wir auf Richtung Süden. Die Landschaft wurde immer grüner, die Straßen immer wilder und wir blickten wieder auf die weniger schöne Seite des Landes: In einem Lager aus Wellblechhütten lebten illegale Einwanderer dicht beieinander.

Die Drakensberge überwältigten uns mit den gigantischen Felsen, der Weite und den Jahrtausendealten Höhlenmalereien.

Nach zwei Übernachtungen bei den riesigen Drakensbergen fuhren wir in die Nähe von Nelspruit, wo wir in einer Scouthall untergebracht wurden. Am nächsten Morgen begann unser Projekt im AIDS-Waisenhaus Siyakhula in einem Township. Wir wussten überhaupt nicht, was uns dort erwartete, aber wir wussten, dass wir als Gruppe aufeinander zählen konnten. Als wir im Waisenhaus ankamen, wurden wir von vielen Kindern empfangen, die sich sehr über unseren Besuch zu freuten – ein schönes Gefühl. Wie froh die Kinder waren, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Dankbarkeit. Etwas Stolz. Unsere Unsicherheit wich drei sehr bewegenden, anstrengenden und tollen Tagen.

Wie froh die Kinder waren, plötzlich so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wir strichen ein Haus, erneuerten den Fußboden, bauten einen Gartenzaun und einen Kompost. Außerdem kauften wir von dem Geld, das wir in Deutschland verdient hatten, noch Utensilien für das Waisenhaus ein. Oft lief die Arbeit nicht wie geplant, doch wie unsere Chefin anfangs schon sagte: »This is Africa! It’s a different way of life.«

Dankbarkeit. Etwas Stolz. Unsere Unsicherheit wich drei sehr bewegenden, anstrengenden und tollen Tagen.

Am letzten Tag des Siyakhula-Projektes trafen wir abends auf die afrikanischen Pfadfinder, bei denen wir für zwei Nächte unterkommen sollten. Gastfamilien. Township. Wieder dieses mulmige Gefühl im Bauch. Stattdessen: Wir wurden euphorisch mit Gesang, Tanz, Campfire und Keksen von den afrikanischen Pfadfindern begrüßt.

Die Zeit in den Gastfamilien war das krasse Gegenteil zu den reichen weißen Gastfamilien, bei denen wir in Johannesburg gewohnt hatten: fließendes Wasser für ein paar Stunden und ein eigenes Zimmer waren hier Luxus. Aber das war überhaupt nicht mehr wichtig: Die Gastfreundschaft war überwältigend. Trotzdem blieb ein komisches Gefühl, als einzige Weiße durch ein Viertel zu laufen, in dem nur Schwarze leben, aber auch das war eine starke Erfahrung.

Euphorisch wurden wir mit Gesang, Tanz und Campfire begrüßt.

Als nächstes stand ein Cubs Camp (Wölflingslager) mit 200 afrikanischen Kindern auf unserem Programm. Wir bereiteten dieses Camp schon in den Gruppenstunden in Deutschland vor und überlegten uns ein passendes Programm für die Kinder. Es machte großen Spaß mit ihnen an Stationen zu arbeiten, Spiele zu spielen, oder den »Mamas« beim Kochen eines afrikanische Abendessens für 200 Leute zu helfen.

Morgenrunde mit deutschen Wachwerde-Spielen im afrikanischen Zeltlager.

Der Abschluss unserer Reise war der Kruger Nationalpark. Zwei Tage zelteten wir mit Affen und bunten Vögeln und sahen Tiere, die wir vorher nur aus dem Zoo kannten. Es war wirklich klasse, abends in einem Safaribus zu sitzen und mit Taschenlampen bewaffnet nach Tieren Ausschau zu halten. Vor allem, wenn aus dem Dunkeln plötzlich riesige Elefanten, Nilpferde oder Nashörner auf dem Weg oder Giraffenköpfe zwischen den Bäumen auftauchen!

Als wir an unserem letzten Abend am Lagerfeuer saßen und über die letzten Wochen nachdachten, wurde uns auch klar, wie wertvoll all diese Erfahrungen für uns waren.

Hannah
nepadawild@gmail.com
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