Asien, Borneo / 07.06.2017

Tage könnte ich hier unten verbringen. Ich sehe Fische in den spannendsten Formen und Farben, Clownfische in ihren Anemonen, Seeschlangen am Meeresgrund, dicke Seegurken und zierliche Seepferdchen, Feuer- Papageien- und Steinfische und dann diese atemberaubend schönen, farbenprächtigen Korallen....

Asien, Borneo / 06.06.2017

Ich darf einfach nicht darüber nachdenken, wie viele Tonnen Wasser sich über mir befinden oder wie lange es dauert bis ich die Oberfläche erreiche. Stück für Stück sinken wir weiter in die Tiefe. Es dröhnt in meinen Ohren und ich muss andauernd Schlucken, um den Druck auszugleichen. Und auf keinen Fall das Atmen vergessen....

Asien, Borneo / 05.06.2017

Als ich zum ersten Mal mit einer Sauerstoffflasche auf dem Rücken eine Stunde unter Wasser verbracht habe, vollkommen schwerelos im Meer, habe ich eine neue Dimension von Schönheit und Freiheit erlebt, die ich zuvor nicht kannte. ...

Asien, Borneo / 05.05.2017

Ich laufe das letzte Mal nach getaner Arbeit mit meinen Gummistiefeln von den Booten bis zur Station den »Main Path« entlang. Das »vorerst« letzte Mal, denke ich mir. Dieses Mal trotte ich besonders langsam, versuche mir jeden Baum gut einzuprägen, Geräusche und Gerüche um mich herum, noch einmal intensiv wahrzunehmen. Es ist später Nachmittag, einer der schönsten Zeiten im Wald, wenn die Sonne schon tief steht und ihr goldenes Licht durch die Blätter fällt....

Asien, Borneo / 02.05.2017

Der Himmel wird immer dunkler. Aus der Ferne ist ein bedrohliches Donnergrollen zu hören. Hoffentlich verschont uns der große Sturm noch kurz. Zu fünft kämpfen wir uns durch das dichte Unterholz des Waldes, ausgerüstet mit einem Rucksack, drei Snake-Poles (eigentlich nur schlichte Eisenstäbe mit Haken am Ende) und etwas Wasser. Wir gehen auf Schlangenjagd. Ich bin etwas nervös. Auf meine Frage, ob es einen Plan gibt, bekomme ich nur die Antwort: »Nö. Das läuft jedes Mal anders ab. Wir müssen vor allem spontan sein.« Na toll, das beruhigt...

Asien, Borneo / 22.04.2017

Ich mag keine Spinnen. Überhaupt nicht. Käfer, Kakerlaken oder anderes Krabbelgetier sind kein Problem für mich, aber Spinnen haben mir irgendwie zwei Beine zu viel. Ich habe mir früher immer vorgestellt, wie die Spinnen aus dem Keller wach werden, wenn es dunkel wird und mit ihren langen haarigen Armen zwischen den Treppenstufen nach mir greifen, wenn ich noch etwas zum Abendessen von unten holen musste. Erstaunlich, wie präsent dieses Bild auch heute noch in meinem Kopf ist....

Asien, Borneo / 09.04.2017

Auf dem Rückweg zum Boot entdecke ich einen großen, ungewöhnlichen Fleck hoch oben in einem der Bäume. Als ich genauer hinsehe und noch mit mir kämpfe, ob ich wirklich stehen bleiben will oder doch lieber vor all den Mücken flüchte, realisiere ich, dass dieser Fleck rot bräunlich ist und sich bewegt. Aufgeregt gestikulierend rufe ich Kasia möglichst leise »Orang Utaaan!« zu und versuche, eine bessere Sicht auf den Baumwipfel zu bekommen. Als ich auf einen laut knackenden Ast trete, blickt das Tier plötzlich auf...

Asien, Borneo / 05.04.2017

Ich liebe den Dschungel. Mit all seinen unterschiedlichen Seiten: Pflanzen in allen Größen und Formen, Tiere in allen Farben und Gestalten, Wetterlagen in allen Extremen und rohe, wilde Natur rundherum – das alles fasziniert mich. Und dennoch es gibt Tage, an denen mir das alles zu viel wird....

Borneo, Umweltbildung / 30.03.2017

Die Insel Borneo ist einer der artenreichsten und vielfältigsten Orte, den ich je besucht habe. Das »Kinabatangan Wildlife Sanctuary« im malaiischen Bundesstaat Sabah, in dem ich zurzeit arbeite, umfasst tropische Wälder, Altarm-Seen, Sumpfgebiete sowie Mangrovenwälder. Die Region gilt als Hotspots der biologischen Vielfalt in der Welt. Sabah und der Kinabatangan-Regenwald sind in den letzten Jahrzehnten verwandelt worden. Der Großteil des Regenwalds wurde abgeholzt und wich riesigen Palmöl-Plantagen. Monokulturen, fein säuberlich aneinandergereiht, die sich kilometerweit über die Insel ziehen....

Asien, Borneo / 22.03.2017

Schweigend sitzen wir uns gegenüber, starren schlaftrunken in unsere Tasse Instantkaffee und tunken ein labbriges Stück Toast in die schwarze Brühe. Die Stirnlampe neben uns wirft ein schwaches Licht an die Decke. Zum Glück ist Sergio auch kein gutgelaunter Frühaufsteher, sodass wir uns an die morgendliche Stille gewöhnt haben. Auf dem Weg zum Boot geht die Sonne langsam auf und sobald wir auf dem Wasser sind und den Fahrtwind im Gesicht spüren, erwachen wir aus unserer Trance. Die Bäume rauschen im goldenen Licht an uns vorbei, eine große...