Nepada Wildlife | Curi-Cancha bei Nacht
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Curi-Cancha bei Nacht

Als wir uns um 17:30 Uhr am Parkeingang treffen, regnet es in Strömen. Doch David, unser Guide, versichert uns, dass die Nachtwanderung durch den Dschungel auch im Regen stattfindet werde. Ein kleiner Trost. Eingehüllt in triefende Regenjacken und mit Taschenlampen bewaffnet betreten wir den Wald von Curi-Cancha. Das Naturreservat schützt sowohl Urwald, als auch Sekundärnebelwald und liegt in 1500 m Höhe. Er ist bekannt für seine große Vielfalt an Vogelspezies, wie zum Beispiel den prächtigen Quetzal (Pharomachrus mocinno), der ausschließlich in den Nebelwäldern Lateinamerikas vorkommt und dessen Schwanzfedern eine Länge von 1 Meter erreichen können.

Es dämmert, nur noch wenig Licht erreicht den Waldboden und langsam verstummt der Vogelgesang. Stattdessen beginnt ein lautes Konzert an Zikaden, Grillen und anderen für mich nicht identifizierbaren Geräuschen. An einem Flusslauf entdeckt David eine kleine, knallgrüne Schlange in den Bäumen. Nie hätte ich das gut getarnte Tier selbst entdeckt.

Der Quetzal hatte schon damals in den präkolumbischen Kulturen eine wichtige Bedeutung und wurde als Gottheit verehrt.
Die Grüngelbe Palmlanzenotter ist eine Giftschlange aus der Familie der Vipern. (Side-stripe Palm-pit Viper; Bothriechis lateralis)

Schweigend stapfen wir durch die Dunkelheit. Nur der durch das Blätterdach scheinende Mond und unseren Kopflampen erhellen den Weg. Ich liebe den Dschungel bei Nacht. Während der Rest der Welt schläft, erwacht hier ein ganz eigenes Leben. Der Wind in den Bäumen, das Quaken der Frösche, das Zirpen der Zikaden und das Rascheln aus dem Unterholz erfüllt die Luft. Zwischendurch ertönt das Heulen einer Eule. Zum Glück hat es mittlerweile aufgehört zu Regnen und wir halten flüsternd nach Tieren Ausschau. Wir entdecken abgefahrene Insekten auf den Blättern und verfolgen kleine Frösche. Farbenfrohe Vögel blinzeln uns verschlafen von den Ästen an. Und plötzlich tauchen zwei Eulen (Sprenkelkauz; Strix virgata) im Lichtkegel auf. Ich finde es jedes Mal unheimlich aufregend bei Nacht durch den Dschungel zu stapfen, ganz ohne zu wissen, was mich erwartet. Obwohl ich kaum etwas sehe, weiß ich, dass sich eine riesig große Tierwelt um mich herum befindet. Vielleicht schleicht gerade sogar ein Graufuchs hinter mir her oder ein Baumstachler klettert über mich hinweg und ich habe keine Ahnung?

Als David uns freudig eine große braunrote Vogelspinne in ihrem Nest zeigt, kann ich seine Begeisterung nicht allzu sehr teilen. Aber der Skorpion, der im UV-Licht blau leuchtet, ist schon sehr cool. Wozu das Exoskelett der giftigen kleinen Biester im Dunkeln fluoresziert, ist nicht ganz klar. Vielleicht um Beute abzulenken oder ihre Partner zu finden. Es sieht auf jeden Fall spektakulär aus und kann sich für einen selbst im Dschungel bei Nacht als sehr praktisch erweisen.

Wir erreichen einen Teich an dem das fröhliche Quaken unzähliger Frösche zu hören ist. Wir halten nach dem Glasfrosch Ausschau. Die kleine, grüne Amphibie hat an der Unterseite eine transparente Haut, durch die Herz, Verdauungsapparat und reifende Eier erkennbar sind. So erhielt die Froschfamilie ihren Namen. David erzählt uns außerdem das traurige Schicksal der Goldkröte (Bufo periglenes), eine berühmte Art, die nun vollkommen ausgestorben ist. Die Krötenart kam nur in den Nebelwäldern von Monteverde vor und wurde 1989 das letzte Mal hier gesichtet. Ursache für das Aussterben waren unterschiedliche Faktoren, wie ausgedehntere Trockenperioden, Abholzung ihres Verbreitungsgebietes und eine Pilz-Krankheit, die aus Afrika eingeschleppt wurde. Der Chytrid-Pilz (Batrachochytrium dendrobatidis) greift die Schutzschicht der Haut an, verstopft die Poren und lässt Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche ersticken, da diese auch über die Haut atmen. Er wird als Ursache für den weltweiten Amphibienrückgang diskutiert.

Ein invasiver Pilz trägt zum weltweiten Amphibiensterben bei und ist auch hier auf Costa Rica ein großes Problem. (Isthmohyla pseudopuma )
Die nachtaktiven Baumbewohner steigen freiwillig nicht auf den Boden herab. (Honigbär; Potos flavus)

Ein absolutes Highlight der Tour ist, als wir ein Kinkajou (Honigbär, Potos flavus) in den Bäumen entdecken. Der nachtaktive Baumbewohner zählt zu den Kleinbären und ernährt sich überwiegend von Früchten. Wenn man ihn nachts beim Fressen erschreckt, beendet er das Essen und kläfft hundeähnlich.

Als wir uns auf den Rückweg machen, bleibe ich nochmal ein Stück zurück. Ich knipse meine Stirnlampe aus und lasse mich vollkommen von der Dunkelheit verschlucken. Die mächtigen Baumkronen heben sich vom mondhellen Himmel ab und ich erkenne sogar ein paar Sterne. Der Dschungel rauscht, zirpt, schnattert und singt um mich herum und ich fühle mich unheimlich klein, in diesem wunderschönen, großen, grünen Universum.

Hannah
nepadawild@gmail.com
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